„Mensch 2015“: Martin Tuttas ist Impulsgeber der Flüchtlingshilfe Suderburg

Einsatz aus Nächstenliebe

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In diesem Haus hat alles angefangen: Martin Tuttas vor der Unterkunft am Suderburger Tannrähmsweg, in die im August 2015 die ersten Flüchtlinge einzogen sind.

Suderburg. Einfach aufgeben, das kommt für Martin Tuttas nicht in Frage. Der Mitbegründer der Flüchtlingshilfe Suderburg und Diakoniebeauftragte der örtlichen St. -Remigius-Kirchengemeinde verfährt nach dem Motto „Geht nicht gibt es nicht“.

Zum Beispiel neulich in einer privaten Flüchtlingswohnung, in der es Probleme mit dem Licht und dem Durchlauf-Erhitzer gab. Niemand wusste so recht weiter. Doch Martin Tuttas beschäftigte sich so lange mit dem Problem, bis er eine Lösung fand. „Wenn man mit Begeisterung bei einer Sache ist, bekommt man auch etwas zurück“, sagt der 68-Jährige.

Für sein Engagement für Flüchtlinge ist Martin Tuttas bei der Wahl „Mensch 2015“ nominiert, eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen. Bis Mittwoch, 27. Januar, können die AZ-Leser ihre Stimme abgeben – nur mit Originalcoupons aus der AZ. E-Paper-Kunden können aber auch mit einem Ausdruck des Coupons teilnehmen, wenn sie darauf ihre Kunden-Nummer eintragen.

Gemeinsam mit Rele Vogt-Sest hat Martin Tuttas im August 2015 die Flüchtlingshilfe Suderburg unter dem Dach der Kirchengemeinde aus der Taufe gehoben. „Das geschah aus dem Bauch heraus. So etwas habe ich vorher noch nie gemacht“, verrät er. Zwar hat der gelernte Betriebswirt, der inzwischen im Versandhandel tätig ist, zuvor 15 Jahre lang private Hilfsaktionen für Russlanddeutsche in Lüchow-Dannenberg organisiert. Doch sein Einsatz für die mittlerweile mehr als 40 Flüchtlinge in Suderburg ist damit nicht zu vergleichen und beschert ihm völlig neue Erfahrungen.

Und es sind schöne Erfahrungen, wie Tuttas erzählt. Etwa 30 Personen engagieren sich mittlerweile bei der Flüchtlingshilfe. Deutschunterricht, eine Kleiderkammer, Begleitung zu Ärzten und Behörden, eine Fahrradwerkstatt und vieles mehr haben die ehrenamtlichen Kräfte seitdem auf die Beine gestellt.

Der Motor all dieser Aktivitäten ist Martin Tuttas. „Ich gebe die Impulse und versuche die Menschen zu motivieren“, erklärt er bescheiden. Dabei lässt er sich von seinem christlichen Glauben leiten. „Meine Triebfeder ist, Gottes Liebe in der Welt sichtbar zu machen. Diese würde anders aussehen, wenn wir alle so handeln würden“, ist er überzeugt. Doch ohne den Rückhalt seiner Frau Anita, die ebenfalls in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, könne er das alles nicht leisten, betont Tuttas.

Besonders berührt ihn die Dankbarkeit der Flüchtlinge. „Man bekommt von ihnen viel mehr zurück, als man gibt“, schildert er. Einige der Neuankömmlinge hat er schon in die Flüchtlingsarbeit integriert. Sie dolmetschen zum Beispiel oder unterstützen Hilfsangebote. Nicht nur dafür zollt Tuttas den Flüchtlingen großes Lob. Das Zusammenleben sei friedlich und respektvoll.

Um weitere ehrenamtliche Helfer zu gewinnen, nutzt Tuttas auch soziale Netzwerke. Er hat einen Facebook-Account für sich und einen für die Kirchengemeinde, twittert regelmäßig, gestaltet die Internetseite der Flüchtlingshilfe. „Auf diese Weise möchte ich andere ins Boot holen“, sagt er.

Damit sind seine Tätigkeiten aber noch lange nicht erschöpft. Auf speziellen Erhebungsbögen – offiziell heißen sie „Daten zur Hilfe der Integration“ – trägt Martin Tuttas persönliche Angaben der Flüchtlinge ein: Alter, Geburtsdatum, Herkunftsland, Beruf, dazu ein aktuelles Foto. Die Daten stellt er dann in das interne Online-Netzwerk der Flüchtlingshilfe ein.

Bleibt ihm bei all der Arbeit überhaupt noch Zeit für Hobbys? Martin Tuttas muss kurz nachdenken. „Ja, Nordic Walking und Fahrrad fahren mit meiner Frau“, verrät er. Doch genauso gerne kümmert er sich um die persönlichen Belange der Flüchtlinge, tüftelt so lange an einem Problem herum, bis er die Lösung gefunden hat. Wie neulich bei dem Durchlauf-Erhitzer.

Von Bernd Schossadowski

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