Eine Tankstelle für Wissen

Zur Einweihung des Eingangsportals im Museumsdorf Hösseringen kamen viele Gäste.

Hösseringen - Von Barbara Kaiser. Als „Tankstelle“ ist er – auch an dieser Stelle – verspottet und ein bisschen sogar diffamiert worden, der neue Eingangsbereich des Museumsdorfes Hösseringen. Niemals, so schrien die Kritiker, würde sich die moderne Architektur mit dem Museumsgelände vertragen, würden Alt und Neu zur Symbiose finden.

Gestern war Einweihung und jetzt ist alles anders. Kein schlechtes Wort mehr, im Gegenteil: „Seit die Leute hier durchgehen können“, sagt Museumsmitarbeiterin Gudela Müller, „gibt es diesen Aha-Effekt und alle sagen: Ist das schön!“ Wie sich der Blick der lichten Halle mit Kasse und Museumsshop öffnet, und der Besucher sich auf dem neuen Veranstaltungsplatz wiederfindet, auf dem gestern die Dreschmaschine ratterte und unterm Zelt rund 1000 Gäste nach dem Bummel übers Gelände auf die Eröffnungsreden warteten – das ist gelungenes Beieinander.

„840 000 Euro sind eine gewaltige Anstrengung“, anerkannte die niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, Johanna Wanka, in ihrem Grußwort; und sie zollte dem Landkreis, der ein Viertel (210 000 Euro) dieser Summe trägt, hohen Respekt. Die verbleibenden 75 Prozent (630 000 Euro) stellte das Land aus dem EU-Fonds für regionale Entwicklung bereit. Es sei ein Museum, „wie man es sich wünscht“, so die Ministerin weiter. „Durch Bürger gegründet im Jahr 1975 ist es heute eine Erfolgsgeschichte“, weil es sammelt, forscht und bewahrt. Auch Landrat Theodor Elster stimmte der Ministerin zu, dass solch ein Haus wie das Museum Hösseringen in die Region, die landwirtschaftlich geprägt ist, gehört. Aber: „Werben Sie dafür und kommen Sie. Die Besucherzahlen müssen steigen, damit wir diese finanzielle Anstrengung verantworten können.“

Schon lange habe man über einen neuen Eingangsbereich nachgedacht, erklärte Direktor Horst Löbert und fand viele Worte zur neuen Konzeption des Museums. Die Verkennung des Neubaus sei auch eigene Schuld, gab er zu. Die der unzureichenden Vermittlung des Anliegens nämlich. „Der Bau wurde bewusst nicht integriert ins Museumsdorf, sondern sollte einen Abschluss bilden; sich aber genauso nach innen öffnen und Neues mit Altem verbinden“, so Löbert. Er nahm das Wort von der „Tankstelle“ auf und versicherte, das neue Gebäude sei mit den Räumen auf jeden Fall „Wissenstankstelle“. Bis jetzt haben zwölf Bildungseinrichtungen ihr Interesse bekundet, die Art der Wissensvermittlung in Hösseringen zu nutzen.

Es war ein gelungener Museumstag. Mit plattdeutscher Musik und altem Handwerk, vielen Reden und Dankesworten natürlich, vor allem auch an die Planungsgruppe unter der Leitung von Architekt Rainer Wetzel. Und nun stehen sie friedlich und ganz und gar passend beieinander: Die 27 originalen Bauten aus 400 Jahren ländlicher Baukultur und die nagelneue Tankstelle – für Wissen.

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