An den eigenen Grenzen

Eimkerin bleibt bei Suche nach Kurzzeitpflege für Eltern erfolglos

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Das ganze Telefonbuch durchtelefoniert: Simone Dirr hat bei ihrer Suche nach einer Kurzzeitpflege für ihre Eltern im Landkreis Uelzen nur Absagen erhalten. 

Eimke – „Da muss was getan werden. “ Simone Dirr aus Eimke schüttelt den Kopf. Sie ist verärgert, aber vor allem findet sie es wichtig, darüber zu sprechen.

Mit Erschrecken musste die 52-Jährige nun feststellen, dass im Landkreis Uelzen keine Betten zur Kurzzeitpflege ihrer Eltern zur Verfügung stehen. Mit der Rund-um-die-Uhr-Betreuung ihrer Eltern stehen ihr laut Gesetz eigentlich 28 Tage Urlaub im Jahr zu – Tage, die sie aufgrund des Betten- und Pflegekräftemangels nun nicht alle nehmen kann. Es ist ein Beispiel für den anhaltenden Pflegenotstand in Deutschland.

Seit vier Jahren pflegt Simone Dirr ihre Mutter jetzt schon. Auch ihr Vater benötigt nun seit einiger Zeit Unterstützung. „Natürlich möchte man, so lange es geht, es so schön wie möglich machen“, erklärt die Eimkerin. Allerdings stoße sie irgendwann an ihre Grenzen. Für die Urlaubstage, die ihr im Jahr zur Verfügung stehen, eine Kurzzeitpflege zu finden, gestaltet sich im Landkreis Uelzen jedoch schwierig.

Schon im vergangenen Jahr hat Simone Dirr ihren Urlaub für Juli 2019 gebucht. Jetzt, ein halbes Jahr früher, sucht sie eine Kurzzeitpflege für ihre Eltern. „Ich habe das ganze Telefonbuch durchtelefoniert“, sagte sie. Von allen habe sie das Gleiche gehört: Es stünden keine Betten zur Verfügung oder sie solle es noch einmal zwei Wochen vor ihrem Urlaub versuchen. Lediglich bei einem Todesfall oder wenn die Pflegebedürftigen direkt aus dem Krankenhaus kommen, könne ein Platz für die Kurzzeitpflege gesichert werden, hieß es.

Letzteres sei Teil des Krankenhausstrukturgesetzes und eine Leistung der Krankenkasse, erklärt Gabriele Witt, Pflegedienstleitung beim Paritätischen Uelzen. Aber auch hier gebe es nicht genug Plätze. „Die Einrichtungen sind voll und haben keine Kapazitäten“, berichtet sie. Sie sei sich bewusst, dass dies ein „echtes Problem“ sei. Hinzu komme, dass viele Einrichtungen eine vollstationäre Pflege bevorzugten. Das bringe, so Gabriele Witt, eine höhere Chance auf Bettenbelegung und somit auch mehr Sicherheit mit sich.

Simone Dirr versteht den Kostenpunkt, aber „wenn ich ein Recht habe, muss auch eine Möglichkeit da sein, das umzusetzen.“ Sie musste nun einen anderen Weg finden, um den zweiwöchigen Urlaub mit ihrer zwölfjährigen Tochter zu ermöglichen. Morgens und abends wird sich ein ambulanter Pflegedienst um ihre Eltern kümmern, tagsüber werden diese in einer Tagespflege verbringen, nachts sind sie allein. „Dann hat man immer im Kopf: Hoffentlich ist da nichts passiert“, sagt die 52-Jährige. Ein Hausnotruf für ihren Vater soll im Notfall helfen.

So geht es aber nicht, findet Simone Dirr. „Viele nehmen das vielleicht so, wie es ist“, sagt sie. Doch sie ist der Überzeugung: „Da muss drüber gesprochen werden.“

VON LEA-SOPHIE PENNER

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