In Eimern in ein neues Zuhause

Die Mitglieder des Angelvereins Gerdautal unterstützten Reinhard Altmüller (rechts) beim Abfischen der Gerdau in Höhe der Verhorner Mühle. Altmüller arbeitete mit einer Elektroangel, damit möglichst kein Fisch übersehen wird.

Verhorn - Von Jörn Nolting. Akribisch suchen die Mitglieder des Angelvereins Gerdau gemeinsam mit Dr. Reinhard Altmüller den Flusslauf der Gerdau an der Mühle Verhorn ab. Mit Kescher und Netzen fangen die ehrenamtlichen Helfer die letzten Fische aus dem Wasser. Zur Sicherheit geht Reinhard Altmüller mit einem Elektrofischgerät hinterher, damit auch ja kein Tier übersehen wird.

„Der alte Bachlauf wird morgen zugeschüttet“, erklärte Jörg Martens, Ingenieur des Gewässer- und Landschaftspflegeverbands Mittlere und Obere Ilmenau gestern. Deshalb sollen alle Tiere in den neuen, renaturierten Lauf der Gerdau umgesiedelt werden. „Die Baufirma war schneller als wir erwartet haben“, freut sich der Ingenieur über den zügigen Abschluss der Arbeiten, die am 1. Juni begonnen haben. Noch sieht der Verlauf der Gerdau an der Verhorner Mühle recht steril aus und ähnelt eher einem Gebirgsbach. Doch in sechs bis acht Wochen wird die Gerdau von Pflanzen besiedelt, ist sich Jörg Martens sicher. Auch die Brücke über die Kreisstraße 12 ist noch nicht endgültig fertig, kann aber nach einer mehrtägigen Sperrung wieder befahren werden.

Um die Mittagszeit hatten die fleißigen Fischer bereits über 60 Bachforellen und über 70 Bachneunaugen in ihren Netzen. Zudem fingen sie auch Stichlinge und Aale auf den rund 250 Metern der Gerdau. „Wir haben nicht mit der Dichte der Bachforellen gerechnet. Sie haben gut Futter gefunden“, zog der Ingenieur um die Mittagsstunden eine erste kleine Bilanz.

„Die Flussperlmuscheln haben gute Chancen hier wieder groß zu werden“, prophezeit Reinhard Altmüller nach den umfangreichen Umbaumaßnahmen. Larven aus der Lutter werden in die Gerdau eingesetzt. „Die Larven sind 0,05 Millimeter klein und müssen an die Kiemen der Bachforellen gelangen“, schildert der ehemalige Mitarbeiter des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz. Einige Wochen leben die kleinen Larven im Kiemengewebe und wachsen. Nach rund zehn Monaten sind sie 0,5 Millimeter groß, Dann lassen sie sich auf den Grund des Baches fallen und verstecken sich zwischen den Kieselsteinen am Grund. Probleme haben die Flussperlmuscheln jedoch, wenn der Grund des Gewässers versandet ist, so wie es bei der Gerdau im Bereich der Verhorner Mühle bisher der Fall war. Siedeln sich die Fluss-perlmuscheln wieder an, dann werden vermutlich auch andere Fische die Gerdau bevölkern.

Doch bis dahin gilt es, möglichst viele Fische aus dem alten Bachlauf zu retten und in Plas tikeimern umzusiedeln.

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