Großstörung im Glasfasernetz

Ein Dorf ohne Festnetz und Internet – Dreilingen tagelang nicht erreichbar

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Nur an dieser Stelle auf seinem Firmengelände hat Thomas Schröder, Inhaber der Kfz-Werkstatt in Dreilingen, Handy-Empfang, um mit Kunden telefonieren zu können. Tagelang waren Teile des Ortes ohne Festnetz und Internet. 

Dreilingen – Irgendwann hatte Thomas Schröder, Inhaber der gleichnamigen Kfz-Werkstatt in Dreilingen, die Nase voll. Dann schnappte er sich einen Stehtisch, platzierte ihn auf dem Rasen neben der Einfahrt zu seinem Firmengelände und telefonierte von dort mit dem Smartphone.

Doch damit wollte Schröder nicht etwa der brütenden Hitze in seinem Büro entgehen. Er nutzte vielmehr die einzige Stelle weit und breit, an der es Handy-Empfang gibt und von der aus er mit seinen Kunden telefonieren konnte.

Denn etwa eine Woche lang sind jetzt in weiten Teilen von Dreilingen das Festnetz und das Internet ausgefallen. Der Ort war praktisch von der Außenwelt abgeschnitten – und das, obwohl es dort schon seit einigen Jahren Glasfaser-Anschlüsse gibt. Die Ursache war eine technische Störung beim Netzbetreiber, der Telekommunikationsfirma Inexio.

„Das war katastrophal und unhaltbar“, schimpft Schröder im AZ-Gespräch. Sieben Tage sei sein Betrieb nicht erreichbar gewesen. „Wir hatten dadurch finanzielle Einbußen und verärgerte Kunden“, klagt er. Zwar funktionieren Festnetz und Internet inzwischen wieder bei ihm, doch der lange Ausfall sei unzumutbar gewesen. So konnte die Werkstatt in dieser Zeit weder Rechnungen schreiben noch Überweisungen tätigen, Preise ermitteln oder Kostenvoranschläge erstellen. Auch der Kundenkontakt war nicht möglich. „Ein auswärtiger Kunde hat zu mir gesagt: ,Wir hatten gedacht, Sie hätten Ihre Firma zugemacht, weil Ihr Anschluss tot war‘“, erzählt Schröder.

Extrem schwierig war es für ihn auch, seine Lieferanten zu erreichen. Das klappte nur per Handy an besagter Stelle auf dem Firmengelände. Doch sobald Schröder einen Meter zur Seite ging, war er im Funkloch. Mehrmals täglich fuhr er deshalb zum Horstberg, einer Anhöhe am Ortsrand, um Kfz-Teile per Handy zu bestellen. Nur dort gibt es Empfang. „Wir waren wieder wie in der Steinzeit“, ärgert sich Schröder. Andere Haushalte im Ort seien sogar noch länger ohne Festnetz und Internet gewesen.

Thomas Schommer, Pressesprecher der Firma Inexio aus dem saarländischen Saarlouis, drückt sein Bedauern über den Ausfall aus. Vor drei Jahren habe Inexio das Netz von der Firma Komnexx übernommen. „Wir stellen gerade die letzten Ortsnetze auf unsere neue Technik um, um sie langfristig stabiler und leistungsfähiger zu machen“, erklärt Schommer. „Dabei ist ein nicht vorhersehbarer Hardware-Fehler aufgetreten, der zu einer Großstörung geführt hat.“

Inexio arbeite mit Hochdruck daran, die Störung zu beheben. Bis Dienstag seien fast alle betroffenen Haushalte im Ort, darunter die Firma Schröder, wieder angeschlossen gewesen. Nur bei sechs Kunden habe das noch nicht geklappt. Daher habe Inexio einen Techniker nach Dreilingen geschickt. „Ich hoffe“, so Schommer, „dass wir das spätestens Donnerstag für die sechs verbliebenen Anschlüsse hinbekommen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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