Neues Projekt in Suderburg: Ostfalia erforscht Auswirkung moderner Technologien auf den Arbeitsmarkt

„Digitalisierung ist nicht der Teufel“

+
Die Automobilindustrie, hier ein Einblick in die Volkswagen-Produktion in Wolfsburg, ist eine der Branchen, in der die Digitalisierung schon stark Einzug gehalten hat. Das führt unter anderem zu einer höheren Arbeitsproduktivität.

Suderburg. Schon seit Jahren zeigt die Entwicklung nur in eine Richtung: Die Arbeitslosigkeit im Kreis Uelzen geht dank der bundesweit guten Konjunktur stetig zurück. So waren im Juli kreisweit nur 2517 Erwerbslose gemeldet, das waren 211 weniger als vor einem Jahr.

Doch wie es weitergeht, ist völlig unklar, denn die zunehmende Digitalisierung wird sich langfristig auf den Arbeitsmarkt auswirken. Davon ist Christoph Gaumann, wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Fakultät Handel und Soziale Arbeit der Suderburger Ostfalia-Hochschule, überzeugt.

„Die Digitalisierung wird einerseits neue Jobs schaffen, andererseits aber auch Arbeitsplätze zerstören“, erklärt Gaumann. Der 27-Jährige arbeitet derzeit an dem Ostfalia-Forschungsprojekt „Digitalisierung von Verkaufsräumen im Einzelhandel“. Dabei geht es unter anderem darum, wie der Einzelhandel digitale Technologien einsetzen und an die Bedürfnisse seiner Kunden anpassen kann (AZ berichtete).

Christoph Gaumann

Ein Aspekt dieses bis April 2019 befristeten und von Professor Arnd Jenne geleiteten Projekts sind die Auswirkungen der Digitalisierung auf den Arbeitsmarkt. „Durch sie werden innerhalb der nächsten 30 Jahre rund 250 000 neue Jobs in Deutschland entstehen. Etwa 65 Prozent dieser Jobs kennen wir heute noch gar nicht“, sagt Gaumann und beruft sich auf eine aktuelle Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).

Dabei trage die zunehmende Arbeitsproduktivität zur Jobsicherung bei, erklärt Gaumann und nennt zwei Beispiele. So habe der Einzug von Kassen mit Selbstscannern in Supermärkten dazu geführt, dass mehr Ladenpersonal beschäftigt werde. Außerdem seien durch das wachsende Online-Banking mehr Mitarbeiter in Banken und Sparkassen eingestellt worden.

„Durch die steigende Arbeitsproduktivität werden aber auch einige Mitarbeiter entlassen“, glaubt Gaumann. „Arbeit wird ein knappes Gut. Es besteht die Gefahr, dass die Schere zwischen qualifiziertem und unqualifiziertem Person immer weiter auseinandergeht.“ Deshalb werde Bildung in Zukunft immer wichtiger. Dafür müsse der Staat aber mehr Geld als bisher investieren, fordert Gaumann, der gerade an seiner Promotion über Digitalisierungstechniken in der Logistik arbeitet.

Zugleich gibt er eine gewisse Entwarnung: „Bis die flächendeckende Digitalisierung in Deutschland Einzug hält, werden wohl noch fünf bis sechs Jahrzehnte vergehen.“ Wenn dadurch Arbeitsplätze abgebaut würden, dann werde es am stärksten den Dienstleistungssektor und das Transportgewerbe treffen.

Gaumanns Fazit: Die Digitalisierung bietet mehr Chancen als Risiken. „Sie ist nicht der Teufel, der alle Jobs verschlingen wird. Es gibt keinen Grund zur Panikmache.“

Von Bernd Schossadowski

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare