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Prozess zu Gewalttat in Böddenstedt: „Dieser Mann hat keine Empathie“

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Von: Theresa Brand

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Der 43-jährigen Angeklagte ist zur Zeit in der JVA Lüneburg inhaftiert. Für die Dauer des Prozesses nehmen ihm die Sicherheitsbeamten die Handschellen ab.
Der 43-jährigen Angeklagte ist zur Zeit in der JVA Lüneburg inhaftiert. Für die Dauer des Prozesses nehmen ihm die Sicherheitsbeamten die Handschellen ab. © Brand, Theresa

Der psychiatrische Gutachter Dr. Frank Wegener und Oberstaatsanwalt Jochen Kaup sind sich einig: Der Angeklagte soll nach seiner Haftstrafe in Sicherheitsverwahrung genommen werden

Es ist bereits der zweite Termin, an dem sich der Angeklagte Robin W. vor dem Lüneburger Landgericht verantworten muss. Ihm wird vorgeworfen, gemeinsam mit einem 34-Jährigen einen 55-jährigen Geschäftsmann geschlagen und beraubt zu haben. Doch am vergangenen Mittwoch wird es kein Urteil geben, zu komplex ist der Sachverhalt um den 43-Jährigen, der zurzeit in der JVA Lüneburg inhaftiert ist.

Der psychiatrische Gutachter Dr. Frank Wegener und Oberstaatsanwalt Jochen Kaup sind sich einig: Der Angeklagte soll nach seiner Haftstrafe in Sicherheitsverwahrung genommen werden. Der Gutachter erklärt: „Der Mann leidet unter einer schweren Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung.“ Das bedeute, er empfinde kein Mitgefühl für seine Opfer, kenne keine Grenzen. Die zahlreichen Strafen und Zwangseinweisungen in psychiatrische Anstalten hätten keine Wirkung gezeigt. Der Angeklagte habe immer wieder Drogen konsumiert und zum Teil schwere Straftaten begangen. Wegener sagt: „Ich gehe sicher davon aus, dass eine Therapie keinen Erfolg hat“.

Neben dem schweren Raub und der Körperverletzung, wegen der der 43-Jährige hier vor Gericht steht, läuft auch im Amtsgericht Uelzen ein Prozess wegen Körperverletzung in mehreren Fällen gegen ihn. Schon seit frühester Jugend ist der Angeklagte immer wieder straffällig geworden, saß mehrfach im Gefängnis, hat zahlreiche Entgiftungen gemacht. Doch anscheinend mit wenig Erfolg. „Es ist selten, dass man eine so schwere Form der dissozialen Persönlichkeitsstörung zu Gesicht bekommt“, erklärt der Gutachter.

Falsches Alibi und Daten-Panne

Zu der Tat in Böddenstedt sagen heute weitere Zeugen aus. Eine von ihnen ist seine ehemalige Partnerin, mit der er zwei Jahre lang in Bad Bevensen zusammengewohnt hat. Die 32-Jährige gibt zu, dem Angeklagten damals ein falsches Alibi gegeben zu haben. Sie habe gesagt, dass ihr damaliger Freund am Abend der Tat bei ihr gewesen sei – doch zu dem Zeitpunkt hätten sie die beiden noch gar nicht gekannt. „Er hat mich unter Druck gesetzt“, sagt die Zeugin, „ich hatte keine andere Wahl.“ Der vorsitzende Richter Michael Herrmann fragt, weshalb sie ihre Aussage nicht früher zurückgezogen habe. Die 32-Jährige gibt an, Angst vor der Reaktion ihres Partners gehabt zu haben. „Er wendet Gewalt an gegenüber jedem, der ihm seiner Meinung nach dumm kommt.“ Oft habe sie Wutausbrüche mitbekommen. Sie sagt: „Dieser Mensch hat keine Empathie.“

Als weiterer Zeuge wird ein ehemaliger Kommissar befragt. Er habe damals bei der Auswertung der Spuren und Vernehmungen geholfen. Dabei sei jedoch ein Fehler passiert: Für die Daten der Funkzellen zur Ortung der Handys habe er leider das falsche Datum angegeben. Doch zum Glück konnte das Opfer die Täter aufgrund von Fotos identifizieren. Beim Bild des Angeklagten habe er heftig reagiert: „Der hatte richtig Angstzustände“, beschreibt der Kommissar.

Ende November wird weiter verhandelt. Anfang Dezember soll dann das Urteil gefällt werden.

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