Großes Treckertreffen norddeutscher Vereine in Hösseringen / Nicht nur Maschinen, sondern auch Kontakte sind wichtig

„Dieselgespräche“ auf dem Brümmerhof

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Sieht futuristisch aus, ist aber über 50 Jahre alt: Keine Rakete, sondern eine Grabenreinigungsmaschine von 1956 haben Thorsten und Jannis Kröger mitgebracht.

Hösseringen. „Wir sind heute Sehleute“, meint Siegfried Wilfer. Er und Mark Kamin von den Schlepperfreunden Wulften sind aus dem Harz angereist. „Wir sind 45 Leute“, erzählen die Beiden, deshalb wurde eigens ein kleiner Bus angemietet, um ins Museumsdorf Hösseringen zu reisen.

Hier möchten sich die Treckerfreunde Ideen und Anregungen holen, denn im August haben sie ihr eigenes Schleppertreffen. Der Ausflug hat sich gelohnt: „Es sind sehr schöne und seltene Stücke zu sehen“, fassen die Beiden zusammen.

Technik aus der Anfangszeit der industriellen Landwirtschaft haben Uwe Ziebur und Rainer Dinslage und die Brüder Andreas und Thomas Skibbe mitgebracht.

Im Museumsdorf trafen sich gestern zum ersten Mal Traktorenvereine aus ganz Norddeutschland, um ihre besten Stücke zu zeigen. Gut 20 Aussteller waren gekommen, im Gepäck Raritäten wie einen „Ohrenabschneider“, „Autoschüttler“ oder auch einen Hagedorn von 1938. „Das ist ein Unikat“, fachsimpeln Siegfried Wilfer und Mark Kamin, „so ein Teil gibt es gar nicht fertig zu kaufen. Den hat der Dorfschmied zusammengeschweißt.“ Gemeint ist ein kleiner Antriebsmotor, hergestellt aus einem Trecker, der nun eine Transmission antreibt, die wiederum einen Hächsler in Gang setzt.

Das Konzept des Museumsdorfes, gemeinsam mit den Vereinen ein besonders qualitätvolles Treffen zu organisieren, ist aufgegangen. Das zeigt die Zustimmung unter den Fachleuten und das zeigen die Besucherscharen, die sich weder von Regenschauern noch von den diversen Umleitungen abschrecken ließen. Suderburger Ratsmitglieder und Geschäftsleute hatten noch großformatige Banner angefertigt, die die Umleitungsstrecke ausschildern. „Wir haben gut hergefunden“, erzählen Marc Feldmann und Tim Skerjanc, die mit den Oldtimerfreunden aus Nienburg angereist sind. 160 Kilometer per Tieflader und sechs Stunden Fahrzeit liegen hinter ihnen.

Mit „Ohrenabschneider“ und „Autoschüttler“ sind die Oldtimerfreunde aus Nienburg angereist.

Wenn in Hösseringen zum Treckertreff geladen ist, dann wird ein Fahrerlager aus Zelten, Bauwagen und Wohnmobilen aufgebaut, denn viele Aussteller bleiben das ganze Wochenende vor Ort. So auch Thorsten und Jannis Kröger aus Buchholz in der Nordheide, Vater und Sohn, die im Bauwagen campieren. „Wir bleiben immer von Donnerstag bis Montag, damit wir die gesamte Veranstaltung genießen können“, erzählen sie. Die Krögers haben eine futuristisch anmutende Grabenreinigungsmaschine von 1956 mitgebracht. Auf Pontons schwimmend bewegte sich das riesige silberne Teil, hergestellt von der Firma Ritscher, durch die Wassergräben, per Schneckenrad wurde das Kraut ausgerissen, hochgeschleudert und am Grabenrand abgelagert. „Das ist ein seltenes Gerät“, erläutert Thorsten Kröger und wirft schon mal einen Blick auf die Einachser von Uwe Ziebur und Rainer Dinslage. Diese präsentieren ein Stück Landtechnik, „um das sich weniger Leute kümmern, weil man darauf nicht sitzen kann“, schmunzelt Uwe Ziebur. Gemeint ist etwa die kleine Bodenfräse, ein Gerät aus der Anfangszeit der industriellen Landwirtschaft, oder der Siemes Motormäher von 1928. Thomas Skibbe, der mit Bruder Andreas hier ist, fasst es so zusammen: „Das Wichtige bei solchen Treffen sind nicht nur die Maschinen, es sind auch die Begegnungen, die man hat. Wir nennen das ‘Dieselgespräche’“.

Von Christine Kohnke

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