Baustellen in der Samtgemeinde Suderburg: Bundesstraße heute im Laufe des Tages wieder zweispurig

„Das wird noch Existenzen kosten“

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Hier geht’s nicht weiter: Auch Fußgänger konnten gestern nicht an der Baustelle vorbei – sie dürfen über den Hof von Jörg Hillmer gehen.

Suderburg. Kurze Mittagspause bei den Bauarbeitern, dann heißt es weitermachen: Die Baustelle in der Suderburger Hauptstraße sorgte gestern dafür, dass nicht mal mehr Fußgänger und Radfahrer passieren konnten.

Für sie gab es eine ausgeschilderte Umleitung: über den Hof von Jörg Hillmer. Autofahrer hingegen müssen offiziell den Weg über Holdenstedt und Holxen in Kauf nehmen. Das machen allerdings nur die wenigsten. Alle ortskundigen Fahrer nämlich nutzen einen Feldweg, der von der Hauptstraße zur Siedlung zwischen Hösseringen und Suderburg führt. Es staubt und bei Gegenverkehr wird es ganz schön eng, so dass eins der beiden Fahrzeuge im Seitenstreifen warten muss.

Gas für Suderburg: Gestern wurde die Gasleitung unter der Hauptstraße kontrolliert. Gleichzeitig musste das Wasser abgepumpt werden.

Besonders betroffen ist das Geschäft von Elvira Müller: „Die ganze Siuation ist nicht zufriedenstellend.“ Deshalb hat sich die Suderburger Geschäftsfrau etwas überlegt: Sie hat sich einen kleinen Bauwagen von der Gemeinde geliehen und steht damit auf dem Marktplatz. „Die Kunden sind begeistert, dass ich etwas mache“, schildert Müller. Wer bei ihr bestellt, kann sich aussuchen, ob er die Ware lieber im Bauwagen oder direkt im Geschäft abholen will. Neben der Sperrung der Suderburger Hauptstraße macht ihr auch die halbseitige Sperrung der Bundesstraße 4 zu schaffen. Doch: „Es ist jetzt der richtige Zeitpunkt – es betrifft ja nur wenige.“ Das sieht Henning Vogt von der Suderburger Firma Valenzi anders: „Es ist schon problematisch. Wir geben den Speditionen Bescheid, aber die haben Subunternehmer und die stehen oft mit dem Lkw mitten im Ort.“ Das betrifft auch die Lieferanten. Er hätte sich gewünscht, dass der Landkreis Uelzen und die niedersächsische Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr sich besser abgestimmt hätten – und das die Baumaßnahme auf der B 4 noch früher bekannt gegeben worden wäre.

Iris Harms ist Bewohnerin der Suderburger Wolfskuhle. Sie wohnt am Heidekamp. Wenn sie der offiziellen Umleitung folgt, dann fährt sie bis zum Kreisel, von da aus in Richtung Stadensen und dann weiter nach Borne und Holdenstedt. „Den Weg müsste ich auch fahren, wenn ich nach Suderburg zum Tanken will.“ Die erste Zeit ist sie immer durch den Wald gefahren in Richtung Holxen und ist dann am Suderburger Friedhof vorbei in den Ort gefahren. „Das Auto sah dementsprechend aus“, lacht Harms. Das hat sie nun gewaschen und nutzt seitdem nicht mehr den Weg durch den Wald. „Bei den nächsten Bauabschnitten gibt es bessere Umleitungsstrecken“, sagt die Bewohnerin der Wolfskuhle. Dann ist auch kein Großeinkauf mehr nötig, denn so hat sie es bisher gehandhabt, wenn sie einkaufen war.

Einfallsreich: Elvira Müllers Geschäft an der Suderburger Hauptstraße ist nur schwer erreichbar, deshalb der Bauwagen.

Thomas Nohns, Verpächter des Kaffee Hofs in Suderburg, ist bedient: „Wir haben hier Einbußen ohne Ende. 40 bis 50 Prozent.“ Eigentlich läuft das Hauptgeschäft des Kaffees über die B 4, doch die Baustellen sorgen dafür, dass Kunden wegbleiben. „Zum Mittagstisch verirren sich nur noch drei bis vier Leute hier“, beklagt sich Nohns. Und wer durch die Umleitung gezwungen ist, nach Holdenstedt zu fahren, der fahre nicht mehr mal eben zum Kaffeetrinken nach Suderburg. „Das wird noch Existenzen kosten“, befürchtet der Besitzer des Kaffees. Erstes Personal musste bereits abgebaut werden. „Wir können uns ja nicht gegen die Maßnahme wehren“, sagt Nohns, der eine Ampel im Dorf besser gefunden hätte. Jetzt zählt für ihn nur noch eins: durchhalten. Im April 2013 beginnt der nächste Bauabschnitt.

Betroffen von den Baustellen ist auch das Museumsdorf in Hösseringen. Entgegen ersten optimistischen Einschätzungen von Museumsleiter Dr. Ulrich Brohm, hat es einen Einbruch in den Besucherzahlen gegegben: „Wir haben rund 2000 Besucher weniger als im Vorjahr.“ Es liegt in seinen Augen zwar auch an den Veranstaltungen, doch fehlen eben auch Besucher, die „mal kurz hingucken“. Sie werden von den Umleitungen abgeschreckt, auch wenn inzwischen das Gekurve durch den gesamten Ort entfällt, wenn man zum Museumsdorf fahren will, denn ein großer Teil der Bauernstraße ist bereits fertiggestellt. Die Arbeiten werden allerdings noch bis mindestens September dauern.

Nicht abgeschreckt, aber abgenervt kommen die Besucher auf den Campingplatz am Hardausee von Jörg Köllner. „Die Gäste sind sehr unzufrieden, wenn sie ankommen“, schildert er. Gerade Besucher aus Holland und Dänemark haben manches Mal zwei Stunden von Uelzen nach Hösseringen benötigt. „Die sind tierisch genervt.“ Ein Grund dafür ist die laut Köllner schlechte Ausschilderung der Umleitung. „Auch die Navis wissen nicht, was los ist.“

Eine gute Nachricht für alle Suderburger gab es gestern aus Lüneburg. Dirk Möller, Geschäftsbereichsleiter für die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr, verkündete, dass die Bundesstraße 4 heute im Laufe des Tages fertiggestellt wird. Zwar fallen noch Restarbeiten an, aber mit Hilfe von Ampeln kann der Verkehr dann wieder zweispurig rollen – wenn auch mit Tempobegrenzung. „Das ist schon mal viel wert“, freut sich Jörg Köllner. Und auch Iris Harms ist froh, denn schließlich ist ihr Auto frisch gewaschen.

Der Bauabschnitt auf der Suderburger Hauptstraße hingegen wird noch bis Anfang November dauern, wobei das Stück bis zum Krempelweg Ende August fertig sein soll. Dann jedoch droht der zweite Bauabschnitt im nächsten Jahr.

Von Jörn Nolting

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