Suderburger Samtgemeinderat stimmt mehrheitlich gegen Hähnchenmaststall-Resolution der SPD

„Buh“-Rufe für Schröder (CDU)

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Hähnchenmast: Dieses Bild wollen die Suderburger Sozialdemokraten vermeiden.

Hösseringen. Lautes Raunen dringt aus dem Saal des Hösseringer Hofes.

„Aufhören“- und „Buh“-Rufe erklingen – was war geschehen? Der CDU-Fraktionssprecher Wilhelm Schröder hatte während der Sitzung des Samtgemeinderates das Wort ergriffen und sich kritisch zur Resolution der SPD gegen die Errichtung weiterer Hähnchenmastställe in der Samtgemeinde geäußert. Im Publikum: zahlreiche Vertreter der Bürgerinitiative „Bauernhöfe statt Agrarfabriken“ aus Gerdau, die sich gegen den geplanten Bau von drei weiteren Hähnchenmastställen in Holthusen II stark machen.

Schröder ließ sich davon aber kaum beeindrucken und setzte seine Ausführungen fort. „Die MRSA-Keime sind weltweit ein Problem. Die gefährlichsten befinden sich in den Krankenhäusern – und das ist nicht auf die Tiere zurückzuführen.“ Lautes Raunen der Entrüstung. Schröders Reaktion: „Beweist mir das Gegenteil.“

In Schröders Augen eignet sich der Naturdung aus den Mastställen gut für die sandigen Böden der Region und was den Antiobiotika-Einsatz beträfe, gehe laut Schröder auch Gefahr vom Menschen aus. „Ich wundere mich, warum sich Herr Schröder nicht selbst als befangen erklärt“, sagte Zuschauer Arnold Kröger aus Barnsen, denn schließlich hatte der CDU-Fraktionssprecher früher beim Verein zur Förderung der bäuerlichen Veredlungswirtschaft gearbeitet.

Ein klares Votum für die Resolution gab Bürgermeister Hans-Hermann Hoff (Grüne) ab: „Wir stimmen zu, wir wollen unsere politische Meinung klar machen und ein Zeichen setzen.“ Aus moralisch-ethischen Gründen votiere er für die Resolution, doch auch greifbarere Argumente wie den Brandschutz oder den Schadstoffausstoß führt er an. „Wir müssen den Spielraum so weit ausreizen, wie es geht.“ Die Wählergemeinschaft Suderburg hingegen war gespalten: Dierk Pellnath schloss sich der Resolution an, Michael Luther und Rainer Dehrmann nicht.

Christdemokrat Jörg Hillmer hatte seine eigene Meinung zur SPD-Resolution: „Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht.“ Mit der Resolution würde der Samtgemeinde in seinen Augen jede Möglichkeit genommen, sachlich zu dem Thema Stellung zu nehmen. Schließlich würden Anwälte der Landwirte diese vorlegen und der Samtgemeinde eine Negativplanung vorwerfen können – und die ist laut Bauamtsmitarbeiter Rüdiger Lilje untersagt.

„Wir reden im Nebel“, ergänzte Stefan Kleuker (CDU), denn weder Samtgemeinde noch Landkreis liege ein Bauantrag für Hähnchenmastställe in Holthusen II vor. Sitzungsleiter Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) enthielt sich bei der Abstimmung. Seine Begründung: „Unsere Resolution bringt überhaupt nichts. Mit der Landkreis-Resolution (AZ berichtete) ist mehr zu erreichen.“ Das Abstimmungsergebnis war knapp: Sechs Ratsmitglieder stimmten für das Schreiben, acht dagegen, zwei enthielten sich.

Von Jörn Nolting

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