Wärme aus Dinkelresten

Bohlsen investiert bis zu eineinhalb Millionen Euro in Nahwärmenetz

+
Sarah Schulz, stellvertrende Vorsitzende, und Jürgen Winter, Vorsitzender der Bürger-Energie Bohlsen, wollen ein Nahwärmenetz in Bohlsen aufbauen, das durch Dinkelspelzenpellets beheizt wird.

Bohlsen. Es ist ein unscheinbares Abfallprodukt bei der Produktion von Dinkelmehl: Dinkelspelzen. Zu Pellets gepresst können sie aber eine Heizzentrale befeuern, wie es jetzt in der Bohlsener Mühle nach dem Ausbau geschehen soll.

Damit auch die Einwohner des Ortes davon profitieren können, haben rund 50 Bohlsener jetzt die sogenannte Bürger-Energie Bohlsen als Genossenschaft gegründet. Ihre Aufgaben sind Einkauf der Wärme von der Bohlsener Mühle und Betrieb und Bau eines Nahwärmenetztes.

„Wir wollen jetzt Nägel mit Köpfen machen und zum Beginn der Heizperiode 2016/17 das Netz fertiggestellt haben“, erklärt Vorsitzender Jürgen Winter. Da die Bohlsener Mühle immer mehr Pellets produziere – Grund ist die gestiegene Nachfrage nach Dinkelprodukten–, sei es charmanter, diese umweltfreundlich zum Heizen zu nutzen als sie als Abfall zu entsorgen. Das Ziel sei, für die Zukunft eine verlässliche Wärmequelle zu zu sichern, die mittelfristig günstiger ist als Gas oder Öl. Der Gründung der Genossenschaft sind zwei Jahre Planungen vorausgegangen.

Wie groß das Nahwärmenetz wird, hängt hingegen von der Zahl der Zeichner für die Genossenschaft ab. Je nach Länge des Netzes würden rund eine bis eineinhalb Millionen Euro in den Bau investiert.

„Zum Stichtag für die Zeichnung am 15. September werden wir dann sehen, was genau möglich ist“. Momentan seien 50 Mitglieder ausreichend, damit das Netz betrieben werden kann. Weitere Mitglieder würden es noch wirtschaftlicher machen.

Gewinne aus dem Betrieb werde man an die Genossen ausschütten. Dies sei einer der Gründe für eine Genossenschaft, erklärt Sarah Schulz, stellvertretetende Vorsitzende. Der andere sei, dass die Mitglieder über die Hauptversammlung das Recht haben mitzureden. „Wir wollten eine Form, wo zwar der Vorstand das operative Geschäft führt, aber die einzelnen Mitglieder nicht zu kurz kommen“, erklärt Schulz.

Gleichzeitig mit dem Bau des Nahwärmenetzes im nächsten Jahr sollen Leerrohre für schnelles Internet verlegt werden. Kreissprecher Martin Theine erklärt auf AZ-Nachfrage: „Es ist durchaus denkbar, dass der Kreis bei den Baumaßnahmen gleichzeitig Leerrohre auf eigene Kosten mitverlegen lässt.“ Winter hofft, dass sich durch einen schnellen Internetanschluss die Attraktivität für junge Familien steigern lässt.

Die Pläne der Genossenschaft zum Aufbau eines Nahwärmenetzes werden am Sonnabend, 29. August, beim Dorffest vorgestellt.

Von Lars Lohmann

Lesen Sie mehr dazu im E-Paper und in der Printausgabe der AZ.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare