Ein Paradies fürs Federvieh

Der Böddenstedter Züchter Hans-Jürgen Drögemüller erhält die goldene Ente

+
Geflügelzüchter Hans-Jürgen Drögemüller mit einer Deutschen Landente mit Haube. „Ich habe so viel erlebt mit den Tieren“, sagt der 70-jährige.

Böddenstedt – „Komm her, komm!“, ruft Hans-Jürgen Drögemüller. „Komm her, komm!“ Von allen Seiten her strömt das Federvieh zu den Futtertrögen, in die der 70-Jährige einen Eimer Getreide entleert. Schnatternd verlassen die Enten den Teich.

Die Hennen kommen angelaufen. Quäkend biegen die Gänse um die Ecke. An den Trögen mischen sie sich alle, die großen und kleinen Schnabelträger, in einem friedlichen Gewühle. Drögemüllers „Ranch“, einen Steinwurf vom Dorf entfernt, ist ein kleines Paradies. Jetzt erhielt der Böddenstedter Geflügelzüchter die goldene Ente. Es ist seine sechste und auch Auszeichnung für ein halbes Jahrhundert in der Geflügelzucht.

Zwei dicke Alben auf einem Tisch spiegeln diese Zeit in alten Fotos, AZ-Berichten, Programmen und Aufklebern von Züchtertreffen, ja sogar Bierdeckeln. Die spendierte eine Brauerei zu einem der internationalen Geflügelzüchtertreffen auf Drögemüllers Grundstück. Seit fast 40 Jahren ist der gelernte Landwirt, Fernsehtechniker und Kaufmann Vorsitzender des Geflügelzuchtvereins Bad Bevensen von 1897, zudem Ehrenvorsitzender des Kreisverbands Lüneburger Heide. Die Auszeichnungen des Züchters hängen in langen Reihen am Stall. Aber das ist nicht das Wichtigste.

Friedliches Gewimmel bei der Fütterung.

„Ich habe so viel erlebt mit den Tieren“, sagt Drögemüller. Es ist eine intensive Beziehung zum Federvieh, die auch über schwere Zeiten hinweg half. Etwa, als die Ärzte bei ihm eine Rückenmarkentzündung diagnostizierten. Prognose: Rollstuhl. Immer kürzer wurden die Wege. Auf seinem Hühnerhof schleppte sich Drögemüller von einem Stuhl zum anderen – und wurde wieder gesund. „Die Tiere haben mich gefordert“, meint er heute. Ihnen geht es ja auch gut. Auf fast 10.000 Quadratmetern hat sein Federvieh reichlich Auslauf.

Drögemüller schüttet Getreide in den Futtertrog.

Drögemüller greift nach den Füßen einer weißen Ente. So kann sie nicht kratzen. Ruhig liegt sie in seinen Händen. Die goldene Ente 2019 ist eine Ehrung für eine züchterische Leistung im Vorjahr. Bei der deutschen Junggeflügelschau wurde eine Deutsche Landente mit Haube prämiert. Voraussetzung für solche Erfolge ist nicht nur der große Tierbestand, sondern auch das Geschick des Züchters, passende Tiere miteinander zu paaren. Wer immer die Tiere mit dem größten Busch auf dem Kopf auswählt, landet in einer Sackgasse, macht Drögemüller klar. „Die Küken kommen dann nicht mehr aus dem Ei.“

Das Federvieh hat den Böddenstedter sein Leben lang begleitet. Seine ersten Hühner, Enten und Tauben fütterte Drögemüller, bevor er in die Schule kam. Eine Geflügelschau im früheren Bevenser Schützenhaus war der Beginn der eigenen Zucht. Bei der Tombola gewann er dort gleich 30 Tiere. Es war der Grundstock für ein Züchterleben.

Und daran lässt der 70-Jährige gerne auch andere teilhaben. Seit 1970 organisiert er das Hähnewettkrähen. Ein Publikumsmagnet ist auch die Tierschau zum ersten verkaufsoffenen Sonntag in Uelzen. Nun sollen Jüngere ran. „Da muss ich kürzer treten“, betont Drögemüller.

30 Mitglieder zählt der Geflügelzuchtverein, nur ein Bruchteil früherer Zeiten. „Keiner will mehr, dass ein Hahn kräht. Das ist schade“, bedauert Drögemüller. Aber er spürt auch einen neuen Trend: Junge Familien schaffen sich Hühner an, damit die Kinder Tiere erleben und erfahren, woher die Eier kommen. Und dann hat sich die Arbeit gelohnt.

VON GERHARD STERNITZKE

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare