Ort ist wohl viel älter als angenommen

Bedeutender Fund bei Böddenstedt: 1200 Jahre alte Spange lag auf Acker

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So sieht die Rückseite der Bronze-Gewandspange aus der Zeit um 800 aus, die jetzt auf einem Acker in der Nähe von Böddenstedt gefunden wurde.

Böddenstedt – Als Dr. Horst Löbert kürzlich mit zwei Sondergängern über einen Acker bei Böddenstedt lief, hätte er sich nicht träumen lassen, welch seltenen Fund er machen würde. Plötzlich piepste der Metalldetektor.

Dann entdeckte das Trio im Erdreich eine rund 1200 Jahre alte Fibel – eine Gewandspange aus der Karolingerzeit. Löbert datiert die Bronzescheibe mit dem gewellten Rand und einem Durchmesser von 2,5 Zentimetern in die Jahrzehnte um 800 nach Christus.

Auf der Vorderseite der Fibel, die wie eine Sicherheitsnadel funktionierte und vermutlich als Schmuckstück getragen wurde, befinden sich farbige Emaille-Einlagen. „Die Fibel lag an der Oberfläche des Ackers und wurde wohl durch Pflügen hochgebuddelt“, glaubt Löbert.

Wie bedeutend der Fund ist, verdeutlicht der aktuelle Stadt- und Kreisarchäologe Dr. Fred Mahler. „In Europa sind nur neun weitere Fibeln dieser Art bekannt“, sagt er. Das kreuzförmige Dekor der Spange sei bei den Karolingern, also in der Zeit Karls des Großen, sehr verbreitet gewesen. „Das ist ein Fund, den wir in dieser Qualität und Form noch nicht hatten“, freut sich der Archäologe.

Doch woher stammt die Fibel? Theoretisch könnte sie sich bei einem Ritt vom Gewand gelöst und zu Boden gefallen sein, spekuliert Mahler. Sie könnte aber auch eine Beigabe in einem Gräberfeld gewesen sein. Auf jeden Fall deutet die Fibel darauf hin, dass Böddenstedt wesentlich älter ist als angenommen. 1197 wurde das Dorf erstmals in einer Urkunde erwähnt. Doch tatsächlich könnte dort bereits vier Jahrhunderte zuvor eine Siedlung existiert haben. „Für die Ortsgeschichte Böddenstedts und für die Kulturgeschichte der Lüneburger Heide ist der Fund bedeutsam“, erklärt Löbert.

Laut Gesetz gehören Fundstücke dieser Art jeweils zur Hälfte dem Finder und dem Grundeigentümer, in diesem Fall also Löbert und dem Böddenstedter Landwirt. Beide haben die Fibel aber Mahler überlassen, damit dieser sie wissenschaftlich untersucht.

„Der Landkreis Uelzen ist die fundreichste und forschungsgeschichtlich bedeutendste Region Norddeutschlands“, schildert Mahler. Das beweist ein weiterer Fund, der kürzlich im Uelzener Nordkreis gemacht wurde: Auf einem Acker entdeckten Sondengänger eine fünf Zentimeter große Bronzefigur, die Ende des 12. Jahrhunderts entstanden ist und aus der französischen Stadt Limoges stammt. Das Gewand besteht aus blauem Emaille.

„Dieser Fund kam für uns völlig überraschend“, erzählt Mahler. „Die Figur gehört nämlich zu einem sehr hochwertigen Reliquienkästchen. Man erwartet nicht, dass man ein solches Stück aus einem Kloster auf einem Acker im Landkreis Uelzen findet.“ Beide Fundstellen – in Böddenstedt und im Nordkreis – werden jetzt näher untersucht.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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