Bauhof hat 50 Jahre alte Bäume gefällt

Anwohner in Suderburg sind entsetzt: Kahlschlag am frühen Morgen

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Werner Warnke und Sylvia Aevermann können es nicht verstehen: Der Bauhof der Samtgemeinde hat mehrere alte Schwarzkiefern neben ihrem Haus am Tannenmoor in Suderburg gefällt. Als Ersatz sollen nun Wacholderbüsche gepflanzt werden.

Suderburg. Als die Suderburgerin Sylvia Aevermann kürzlich morgens aufwachte, glaubte sie ihren Ohren nicht zu trauen.

„Ich hörte draußen dumpfes Schlagen, als eine Fachfirma die großen Schwarzkiefern neben unserem Haus gefällt hat“, erzählt die Anwohnerin der Straße „Am Tannenmoor“ und aus ihrer Stimme klingt Empörung.

Die Wurzeln der Bäume haben die Fahrbahn des Tannenmoors mehrere Zentimeter nach oben gewölbt – eine Gefahr für Autos.

Ohne Rücksprache mit den Anliegern habe der Bauhof der Samtgemeinde Suderburg vier große Schwarzkiefern gefällt, die seit etwa 50 Jahren am Ende der Sackgasse gestanden hatten. Der Grund: Die Wurzeln der Bäume hatten Teile der Fahrbahn beschädigt. „Wir waren entsetzt“, schildert Sylvia Aevermann. Denn mit den mehr als 20 Meter hohen Bäume verbinden die Anwohner des Tannenmoors schöne Erinnerungen. 2012 hatte Aevermanns Ehemann Werner Warnke von der Verwaltung die Erlaubnis bekommen, das mit unansehnlichem Gestrüpp bewachsene Rondell in der Sackgasse – unweit der Schwarzkiefern – neu gestalten zu dürfen. „Wir stellten uns einen Platz vor, an dem die Anwohner zusammenkommen können“, sagt Warnke. Und so gestalteten die Bürger den Platz um. Rasen wurde gesät und eine hölzerne Sitzbank gespendet. „Damit war die Idee für ein Straßenfest geboren“, berichtet Warnke.

Dieses wird seither jährlich im August gefeiert – mit bis zu 45 Teilnehmern. Zudem veranstalten die „Tannenmoorianer“, wie sie sich nennen, im Dezember ein Weihnachtsgrillen. Inzwischen wurden noch ein Tisch und eine weitere Bank angeschafft. „Die schönen Schwarzkiefern spendeten im Sommer Schatten und im Winter Windschutz. Vorbei!“, ärgert sich Aevermann. Eine Anwohnerin sei beim Anblick der abgeholzten Fläche in Tränen ausgebrochen.

Nach Ansicht von Samtgemeindebürgermeister Thomas Schulz mussten die vier Bäume aber dringend gefällt werden. „Es gingen Gefährdungen durch Wurzelwölbungen aus. Das Pflaster auf der Fahrbahn stand teilweise bis zu 15 Zentimeter hoch. Das hätte zu Schäden an Autos führen können“, sagt der Verwaltungschef. Die Wölbung werde nun entfernt.

Doch warum wurden die Anwohner nicht über die bevorstehende Fällung informiert? Die Verwaltung könne nicht bei jedem Baum, der entfernt werden müsse, vorab die Bürger beteiligen, erläutert Schulz. Allerdings werde der Streit nun ausgeräumt. „Es wird eine Ersatzpflanzung mit Wacholderbüschen vorgenommen. Das haben sich die Anwohner gewünscht. Das Tannenmoor-Fest kann weiter gefeiert werden“, betont er.

Das sei eine gute Lösung, finden Warnke und Aevermann. Die bildende Künstlerin hat auch schon eine Idee, was aus dem Holz der gefällten Bäume werden soll: Sie will daraus eine Erinnerungsskulptur schnitzen und vor Ort aufstellen: einen Engel mit Metallflügeln. Warnke fasst den Streit um die Bäume fast poetisch zusammen: „Eine Idylle wurde zerstört, ein neues Kleinod soll entstehen.“

Von Bernd Schossadowski

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