Wiebke Schröder aus Holxen hat ein Buch über ihr Lama Fussel geschrieben / „Ein richtig cooler Typ“

Ein Anden-Gast erobert die Herzen

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Wiebke Schröder aus Holxen präsentiert ihr Buch „Das Lama vom anderen Ende der Welt“, das jetzt erschienen ist. Darin erzählt sie aus dem Leben ihres Lamas Fussel. Dessen Porträt hängt an der Wohnzimmerwand (rechts), links daneben Dancer, ein weiteres Mitglied ihrer Lamaherde.

Holxen. Sein Porträt hängt an der Wohnzimmerwand über dem Sofa von Wiebke Schröder aus Holxen. Deutlich sind auf dem von ihrer Mutter gemalten Bild die geschlitzten Ohren – vermutlich die Folge eines Unfalls – zu erkennen.

Der Lamahengst Fussel, den Wiebke Schröder und ihr Ehemann Werner im Juni 2012 in Obhut nahmen und der sofort ihr Herz eroberte, war ein ganz besonderes Tier.

Jetzt hat Wiebke Schröder ein Buch über Fussel geschrieben. „Das Lama vom anderen Ende der Welt“ ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. „Es ist mein Geschenk für meinen Mann zum zehnten Hochzeitstag“, erzählt Wiebke Schröder. Einen Monat hat die 55-Jährige an dem 200-Seiten-Buch, das den Untertitel „Eine fast wahre Geschichte“ trägt, geschrieben.

Im ersten Teil lässt die Holxerin, die Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt Strafverteidigung ist, ihrer Fantasie freien Lauf. Weil sie über die ersten 13 Lebensjahre von Fussel nichts weiß, hat sie sich Gedanken gemacht, was er wohl so alles erlebt haben könnte. Sie erzählt von seiner Geburt im März 1999 in den peruanischen Anden. Später wird das Lama von einer Frau als Begleiter auf den Jakobsweg in Nordspanien mitgenommen.

Mehrere Jahre verbringt es danach in einem französischen Wanderzirkus, bis es durch dramatische Umstände bei einem Tierhalter in Norddeutschland landet. Dort erlebt das Lama die schlimmste Zeit seines Lebens. Ohne Artgenossen vegetiert es vor sich hin. Ein Kreisveterinär rettet es schließlich aus dieser unwürdigen Haltung und vermittelt es an die Schröders. Dort beginnt die letzte glückliche Station in Fussels Leben.

Von da an fußt das Buch auf wahren Begebenheiten: Fussel freundet sich mit den drei anderen Lamas der Schröders an und wird bald zum Chef der Herde. „Fussel war ein richtig cooler Typ. Er hatte immer einen Platz im Unterstand, egal wie schlecht das Wetter war. Die anderen Tiere haben ihm respektvoll Platz gemacht“, erzählt Schröder und lacht. „Er hatte es faustdick hinter seinen geschlitzten Ohren.“

Auch bei den Besuchen in Seniorenheimen und im Uelzener Hospiz war Fussel abgeklärt und souverän. Dorthin nehmen Wiebke und Werner Schröder ihre Lamas mit, um alten, zum Teil todkranken Menschen eine Freude zu bereiten. Bei der Therapie autistischer und geistig behinderter Kinder sowie bei den touristischen Spaziergängen „Lama to go“ im Bad Bevenser Kurpark leisten die Andentiere der Schröders ebenfalls wertvolle Arbeit. „Lamas nennt man auch die Delfine der Weide. Sie sind sehr einfühlsam, neugierig und zugewandt, aber auch zurückhaltend“, erklärt Wiebke Schröder. Auch sie selbst habe von Fussel und seine Artgenossen profitiert: „Ich bin viel ruhiger und geduldiger geworden.“

Die Holxerin muss jedes Mal schmunzeln, wenn sie gefragt wird, ob ihre Lamas spucken. „Das machen sie nur unter Artgenossen, um die Rangordnung in der Herde zu klären oder wenn sie meinen, in Gefahr zu sein.“ Freundlich gesonnene Menschen hätten nichts zu befürchten.

Noch immer ist Wiebke Schröder traurig, dass sie Fussel nur neun Monate bei sich haben durfte. Im Februar 2013 starb das Lama an Altersschwäche. Ihr Buch sei auch ein wenig Verlustbewältigung, gibt sie zu. Doch Fussel bleibt unvergessen, sein Porträt hat sie jedesmal im Blick, wenn sie ihr Wohnzimmer betritt.

Von Bernd Schossadowski

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