Rat beschließt mehrheitlich Krippen-Neubau am Gänsekamp

Altes Schulgebäude in Suderburg wird abgerissen

Soll das alte Schulgebäude und spätere Jugendzentrum am Gänsekamp in Suderburg abgerissen und durch einen Krippen-Neubau ersetzt werden? Darüber gab es jetzt eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat.
+
Soll das alte Schulgebäude und spätere Jugendzentrum am Gänsekamp in Suderburg abgerissen und durch einen Krippen-Neubau ersetzt werden? Darüber gab es jetzt eine kontroverse Diskussion im Gemeinderat.

Suderburg – Die Würfel in Sachen Krippenbetreuung in Suderburg sind gefallen.

Mit zehn zu vier Stimmen hat der Gemeinderat jetzt beschlossen, das ehemalige Schulgebäude und spätere Jugendzentrum am Gänsekamp abzureißen und dort einen modernen Neubau für zwei Krippengruppen zu errichten. Außerdem soll geprüft werden, ob auf dem Dach des Neubaus eine Photovoltaikanlage installiert werden kann.

Scharfe Kritik am geplanten Abriss des 112 Jahre alten Gebäudes äußerte Götz Schimmack (Gruppe Pellnath/Schimmack). „Mich wundert die Leichtigkeit und Unbedarftheit, mit der hier materielle und ideelle Werte zerstört werden sollen“, sagte er. Die alte Schule sei „lupenreine Suderburger Dorfgeschichte“.

Zudem bestehe nach den aktuellen Geburtenzahlen nur für eine Krippengruppe Bedarf – und nicht für zwei. Diese könnte problemlos im Altgebäude untergebracht werden, meinte er. Das wäre auch deutlich preisgünstiger als ein Neubau. Schimmacks Fazit: „Ein Abriss wäre ein weiterer Schritt zur Gesichts- und Geschichtslosigkeit des Ortes – eine Schandtat.“

Dagegen sprach sich auch Werner Warnke (Grüne) aus. „Es sieht so aus, als ob nur eine Krippengruppe benötigt wird“, sagte er. Mit dem Umbau der alten Schule lasse sich „einiges an Geld“ sparen. Dem schloss sich Hinrich Müller (SPD) an. Der Neubau der Krippe würde 1,12 Millionen Euro kosten, die Sanierung des alten Schulgebäudes als Domizil für eine Krippengruppe hingegen nur 873 000 Euro, gab er zu bedenken.

Eine völlig andere Variante brachte Schimmacks Gruppenkollege Dierk Pellnath ins Spiel. Er schlug vor, das Regenrückhaltebecken im Baugebiet „Westlich der Bahnhofstraße“ einzuebnen und dort das neue Krippengebäude zu errichten. Die alte Schule könnte somit erhalten bleiben, sagte Pellnath.

Ganz anders sah das Ulrich Mietzner (SPD). Das Gebäude am Gänsekamp weise große bauliche Mängel auf. „Das Risiko, das wir dort eingehen, ist sehr hoch“, warnte er und verwies darauf, dass der Altbau aus statischen Gründen mit einem Stahlgerüst stabilisiert werden muss. „Das wird teuer“, sagte er. Wie berichtet, liegen die Kosten für das Stahlskelett und den Umbau für zwei Krippengruppen bei etwa 1,23 Millionen Euro.

Die Gemeinde müsse mit den Steuergeldern sinnvoll umgehen, betonte Michael Luther (WSL). Die Nutzung des Altbaus könnte finanziell zum Fass ohne Boden werden, befürchtete er. „Mit einem Neubau haben wir aber eine gesicherte Planung.“ Hans-Jürgen Drögemüller (SPD) pflichtete ihm bei: „Ein Neubau bietet viele Vorteile, die man in dem alten Gebäude nicht hätte. Und er wäre für die Kinder das Beste.“

Dagegen hielt sich Udo Depner (CDU) in der Diskussion bewusst zurück. „Ich wollte hier nicht noch Öl ins Feuer gießen“, erklärte er. Seine Meinung, dass ein Krippen-Neubau alternativ los sei, habe sich aber nicht geändert.

Nun muss noch der nichtöffentliche Verwaltungsausschuss über die Gestaltung des Gebäudes entscheiden. Zur Diskussion steht, ob dieses anstelle der vorgeschlagenen Lärchenholz-Verschalung eine Klinker- oder Putzfassade erhält und ob das Dach anstatt aus Zink aus Ziegeln gebaut wird. VON BERND SCHOSSADOWSKI

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare