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Alphorn-Klänge mitten in Suderburg

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Von: Bernd Schossadowski

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Jürgen Wrede und Elisabeth von Racknitz stehen im Garten des Hauses und spielen gemeinsam auf ihren beiden Alphörnern.
„Ruf ins Tal“ heißt das Lied, das Jürgen Wrede und Elisabeth von Racknitz auf dem Alphorn spielen – doch nicht in den Schweizer Bergen, sondern in Suderburg. © Bernd Schossadowski

Wenn Jürgen Wrede und Elisabeth von Racknitz gemeinsam musizieren, ist das weithin zu hören. Denn der Suderburger und seine Lebensgefährtin haben ein ungewöhnliches Hobby: Sie spielen auf Alphörnern, zum Beispiel auf der Wiese hinter Wredes Haus, aber auch am Waldrand im Tannrähm. 

Suderburg – Langsam, aber stetig schwillt der Ton in den kunstvoll gefertigten Holzrohren an. Ein sonorer Klang erfüllt die Luft und kündet von Schweizer Bergwelten. „Ruf ins Tal“ heißt das Lied, das Jürgen Wrede und seine Lebensgefährtin Elisabeth von Racknitz gemeinsam auf ihren Alphörnern spielen. Doch die beiden stehen nicht etwa auf einer Berg-Alm und blicken hinab ins Tal. Sie musizieren auf einer Wiese hinter Wredes Haus in Suderburg – gerade mal 70 Meter über dem Meeresspiegel. Wahrlich ein ungewöhnliches Hobby für einen Heidjer.

„Wir sind Exoten“, sagt Elisabeth von Racknitz und lacht. „Das ist ein unglaublich ruhiger, sonorer Klang. Man spürt die Schwingungen bis in den Brustkorb“, schwärmt Wrede. Doch woher rührt seine Faszination fürs Alphorn – in einer Region, in der eher andere Musikinstrumente verbreitet sind? „Ich bin Schweiz-affin“, verrät der 79-Jährige. Zwischen 1965 und 1973 hat er in Freiburg im Breisgau – nicht weit von der Schweizer Grenze entfernt – studiert und gearbeitet. Und so hat Wrede das südliche Nachbarland kennen und lieben gelernt, dort viele Urlaube verbracht und schließlich seine Leidenschaft fürs Alphorn entdeckt.

Vor einem halben Jahr hat er mit dem Spielen des Instruments begonnen. Das Entscheidende sei dabei die Lippenspannung, erklärt Wrede. Im Posaunenchor hat er einst Flügelhorn gespielt. „Das ist von Vorteil beim Blasen des Alphorns“, weiß er. Seine Lebensgefährtin, die aus Freiburg stammt und inzwischen in Berlin lebt, spielt das Schweizer Instrument seit etwa drei Jahren. Beigebracht hat es ihr ein Alphornspieler, der sie dazu jede Woche besucht hat. Später hat sich Elisabeth von Racknitz einer Alphorn-Gruppe zum Üben angeschlossen. „Der Reiz des Instruments ist der Klang“, sagt sie. „Aber es ist nicht ganz einfach zu spielen.“

Vor einiger Zeit haben sich Wrede und sie jeweils ein Alphorn in der Schweiz gekauft. Es ist 3,50 Meter lang, aus Bergahorn gefertigt und mit Peddigrohr umwickelt. Außerdem ist es erstaunlich leicht – es wiegt nur wenige Kilogramm. Und es lässt sich einfach auseinander nehmen, denn es besteht aus drei Elementen, die zusammengesteckt werden. Somit kann das Alphorn bequem transportiert werden, zum Beispiel zu Auftritten im Freien.

Und von denen hatten Elisabeth von Racknitz und Jürgen Wrede schon einige. „Wir haben gemeinsam am Ufer des Wannsees bei Berlin gespielt“, berichtet der Suderburger. Auch vor der St.-Remigius-Kirche, am Waldrand im Tannrähm und am Silvestervormittag auf dem Suderburger Marktplatz haben die beiden mit ihren Alphörnern schon musiziert.

Am liebsten spielt Wrede im Duett. „Der gemeinsame Klang ist besonders schön. Ich liebe die Ruhe und Gelassenheit, die dieses Instrument ausstrahlt“, erzählt Wrede. „Und je nach Echo kann man den Klang kilometerweit hören. Das ist faszinierend.“ Deshalb ist er vom internationalen Alphorntreffen, das jährlich auf dem Feldberg im Schwarzwald stattfindet, so begeistert. Dort sorgt ein Orchester aus 120 gemeinsam gespielten Alphörnern für Gänsehaut-Momente bei den Zuhörern.

In den kommenden Monaten werden Elisabeth von Racknitz und Jürgen Wrede noch fleißig auf ihren typisch Schweizer Instrumenten üben. „Frühlingserwachen“ und „Auf den Höhen des Feldberges“ heißen zwei der Lieder, die sie regelmäßig auf ihren Alphörnern spielen. Das geht auch knapp 1400 Höhenmeter unterhalb des höchsten Schwarzwaldgipfels – mitten in der Heide.

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