Fotofallen auf Rheinmetall-Gelände sind ergiebig / Experte vermutet zwei Eltern- und zwei Jungtiere

Fotofallen auf Rheinmetall-Gelände ergiebig: Alle vier bis fünf Tage Wolfsbilder

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Das Wolfsrudel auf dem Rheinmetall-Gelände bei Unterlüß ist extrem scheu, weiß Wolfsberater Theo Grüntjens. Seinen Worten zufolge leben derzeit zwei Elterntiere und vermutlich zwei Jungwölfe auf dem Areal.

Eimke/Unterlüß. Ihr Lebensraum erstreckt sich in einem Streifen von Unterlüß bis westlich von Eimke. Doch wer sie zu Gesicht bekommen will, muss großes Glück haben.

„Das Wolfsrudel auf dem Rheinmetall-Gelände ist extrem scheu“, erklärt Wolfsberater Theo Grüntjens im AZ-Gespräch. Er zog jetzt eine Jahresbilanz der Wolfspopulation im Bereich Unterlüß.

Sobald sie Menschen erblicken, suchen die Tiere des Rheinmetall-Rudels sofort das Weite, sagt Grüntjens. „Das ist genau das, was wir uns alle auch wünschen.“ Dagegen hatte sich das Munsteraner Rudel im vorigen Jahr häufiger in der Nähe von Menschen gezeigt. Zuletzt waren diese Tiere aber deutlich vorsichtiger geworden (AZ berichtete).

Wie viele Wölfe das Rudel auf dem Rheinmetall-Schießplatz derzeit zählt, kann Grüntjens nicht genau sagen. „Es gibt die beiden Elterntiere. Daneben haben wir Hinweise auf zwei Jungwölfe. Das sind aber nur Sichtbeobachtungen. Die wissenschaftlichen Belege fehlen uns bislang“, schildert Grüntjens. Möglicherweise seien einige Jungwölfe im Welpenalter an Staupe oder anderen Krankheiten eingegangen. Grüntjens hält es auch für möglich, dass noch einer der drei im Jahr 2014 geborenen Jungwölfe zu dem Unterlüßer Rudel gehört. Die anderen seien vermutlich abgewandert. „Wir wissen aber nicht wohin“, sagt der Wolfsberater. Darüber hinaus gebe es im Kreis Uelzen einige umherziehende Einzeltiere, die unter anderem bei Hösseringen gesichtet oder durch Spuren bestimmt wurden.

Niedersachsenweit wurden im Vorjahr 57 Wölfe nachgewiesen, so Grüntjens. Hinzu kämen einige Einzeltiere und weitere noch nicht erfasste Wölfe, sodass die Gesamtzahl bei etwa 80 liege. Darunter seien 24 nachgewiesene Welpen. Die Zahl der Rudel im Land habe sich gegenüber 2014 von fünf auf sieben erhöht.

Nachgewiesen wurden die Wölfe auf dem Unterlüßer Schießplatz und in dessen Umgebung fast ausschließlich durch Wildkameras. „Im Schnitt alle vier bis fünf Tage haben wir Wolfsbilder, ausgelöst durch Fotofallen“, berichtet Grüntjens. Es handele sich überwiegend um Nachtaufnahmen. Nur selten gelinge es, tagsüber einen Wolf abzulichten. In diesem Zusammenhang bittet Grüntjens darum, Bilder aus privaten Fotofallen umgehend an die Wolfsbeauftragte des Landes, Dr. Britta Habbe, zu senden.

Einen Zuzug weiterer Rudel in den Kreis Uelzen hält der Wolfsberater derzeit für unwahrscheinlich: „Unsere Region ist komplett besetzt, es gibt kein freies Territorium.“ Dennoch sei die Einwanderung von Einzeltieren möglich. Angst müssten die Menschen aber nicht haben: „Die Gefahr ist minimal. Man kann sich im Freien ganz normal bewegen.“ Es sei jedoch ratsam, Hunde in der Natur anzuleinen. Grüntjens ruft zudem die Tierhalter auf, ihre Bestände mit wolfssicheren Zäunen zu schützen.

Von Bernd Schossadowski

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