Zu Fuß durch Spaniens grünen Norden

Alina Fromhagen aus Holxen ist 40 Tage über den Jakobsweg gepilgert

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Es ist fast geschafft: Der Wegweiser zeigt an, dass es bis zum Ziel des Jakobswegs nur noch 100 Kilometer sind. Entsprechend begeistert ist Alina Fromhagen. 

Holxen/Santiago de Compostela – Sie wanderte im strömenden Regen, bis das Wasser in ihre Schuhe lief. Sie erlebte brütende Hitze. Und sie wurde Zeugin, wie ein Dieb versuchte, Habseligkeiten aus dem Schlafsaal zu stehlen.

Für Alina Fromhagen war es eine abenteuerliche Pilgerreise. 40 Tage lang – rund 960 Kilometer – ist die 22-Jährige aus Holxen im Mai und Juni über den Jakobsweg im Norden Spaniens gewandert. Jetzt ist sie wohlbehalten zurückgekehrt – mit wunderbaren Erinnerungen und vielen neuen Freundschaften, die sie unterwegs geknüpft hat.

„Ich bin da ganz schön blauäugig rangegangen“, verrät Alina Fromhagen und lacht. Anstatt sich akribisch vorzubereiten, wollte sie das Pilgern einfach mal ausprobieren. Den Anstoß gab ein schwerer Bandscheibenvorfall im Sommer 2018. Zwei Wochen lang verbrachte die junge Frau nach ihrer Operation im Uelzener Klinikum, es folgten vier Wochen in der Reha. „Da habe ich mir gesagt: Wenn ich wieder vernünftig laufen kann, werde ich sehr weit laufen“, erzählt sie. Und so beschloss sie, über den Jakobsweg zu wandern.

Die klassische Route, den „Camino Frances“, wollte sie aber nicht laufen, weil diese völlig überfüllt ist. Stattdessen wählte sie den „Camino del Norte“, der zumeist entlang der spanischen Nordküste verläuft. Dorthin verschlägt es nur wenige Pilger.

Zunächst flog Alina Fromhagen nach San Sebastian ins Baskenland. Der Startpunkt ihrer Wanderung war die benachbarte Stadt Irun. Über Bilbao, Santander, Gijon, Aviles und Ribadeo führte die Route schließlich zum Ziel aller Jakobswege, zur Kathedrale in Santiago de Compostela. Die Landschaft war atemberaubend: durchgängig grün und gebirgig. Fast 22.000 Höhenmeter legte die Holxerin zurück. „Das war schon eine körperliche Herausforderung, aber richtig cool“, schwärmt sie. Nicht nur einmal kam sie an ihre Grenzen, doch ihre Bandscheiben bereiteten ihr keine Probleme.

Mit 15 bis 20 Kilometern pro Tag ging es los. „Irgendwann habe ich mich so daran gewöhnt, dass ich zum Teil 40 Kilometer gelaufen bin.“ Und auch den Trekking-Rucksack auf ihrem Rücken spürte sie dann kaum noch. Viele Etappen legte sie allein zurück, unterhielt sich dabei aber oft mit anderen Wanderern, die sie abends in den Herbergen wiedertraf. An jeder Station sammelte sie einen Stempel für ihren Pilgerpass – ein begehrtes Souvenir für jeden Wanderer.

In den Herbergen gab es so manche Überraschung. Vom Schlafsaal mit 60 Betten bis zum gemütlichen Doppelzimmer war alles dabei. Diebstähle gab es leider auch, dabei wurden Mitwanderer um Handys und Bargeld erleichtert. Einmal sah Alina Fromhagen, wie ein Dieb einer Frau in die Jacke griff. „Andere Pilger haben ihn aber ertappt und rausgeschmissen.“

Und dann hatte sie es nach 35 Tagen und 830 Kilometern geschafft: Die Kathedrale in Santiago de Compostela war erreicht. „Das war das absolute Highlight, ein unfassbar schönes Gefühl“, sagt sie. Und weil es ihr so gut gefiel, wanderte sie danach noch einmal fünf Tage und 130 Kilometer weiter auf einem anderen Teil des Jakobswegs. Ziel war das Kap Finisterre an Spaniens Nordwestküste.

Ein echter Kontrast erwartet die 22-Jährige nun nach der Rückkehr in ihre Heimat. Am 1. Juli fängt sie als Notfallsanitäterin beim DRK an. „Das ist mein Traumjob“, erklärt sie. „Dann geht‘s endlich auf den Rettungswagen.“

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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