Gerdauer Bauausschuss fühlt sich von plötzlichem Wechsel der Betreibergesellschaft überrumpelt

Ärger über neuen Windpark-Partner

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Im Windpark zwischen Groß Süstedt und Gerdau will die Firma PNE Wind sechs größere Anlage errichten und dafür 13 alte Windräder abbauen. 

Groß Süstedt/Gerdau. Eigentlich sollten die Arbeiten noch im April beginnen: Die Firma PNE Wind will ihren bestehenden Windpark zwischen Groß Süstedt und Gerdau mit sechs größeren und leistungsfähigeren Anlagen bestücken und dafür 13 alte Windräder abbauen (AZ berichtete).

Doch in der Sitzung des Gerdauer Bauausschusses traten jetzt unerwartet offene Fragen auf. Sie könnten das Vorhaben von PNE Wind verzögern, im schlimmsten Fall sogar infrage stellen.

Konkret geht es um den Nutzungsvertrag, den die Gemeinde Gerdau mit dem Cuxhavener Unternehmen abschließen will. Für einen Großteil des Windparks wurde bereits eine Vereinbarung unterzeichnet. In einem jetzt zur Beratung vorgelegten zweiten Vertrag ging es nur um einen Weg in dem Windpark, dessen Nutzung bislang nicht geregelt war.

Stefan Kleuker

Doch dieses Schriftstück stieß am Dienstagabend im Bauausschuss auf scharfe Kritik. Denn der Name des geplanten Anlagenbetreibers hat sich kurzfristig geändert. Im bisherigen Vertragsentwurf war es die PNE Wind AG. Im neuen Entwurf, den Bürgermeister Stefan Kleuker erst am vorigen Freitag erhalten hat, lautet der Name aber PNE Wind Park XIX GmbH & Co. KG.

Hermann Meyer

Darüber war der Ausschuss extrem irritiert. „Es ist kein tolles Geschäftsgebaren, uns wenige Tage vor unserer Sitzung mitzuteilen: Ihr habt einen neuen Vertragspartner“, ärgerte sich Hermann Meyer (FWG). „Als Privatmann würde ich so einen Vertrag nicht abschließen. Da werde ich misstrauisch.“ Deshalb solle die Gemeinde über einen Anwalt mehr über die Firma in Erfahrung bringen, forderte er.

Auch Kleuker gab zu, der Betreiberwechsel habe „nicht ganz unberechtigte Zweifel“ geweckt. Dass PNE die Gemeinde Gerdau erst jetzt darüber informiere, sei unbefriedigend. „Wir wollen uns nicht die Pistole auf die Brust setzen lassen“, betonte er. Denn bereits heute Abend soll der Gerdauer Rat über den Nutzungsvertrag entscheiden. Die Sitzung beginnt um 19 Uhr im Gasthaus Köllmann in Bargfeld.

Ein Nein des Rates zum Nutzungsvertrag könnte gravierende Auswirkungen haben, meinte Kleuker: „Wir würden damit das Bauprojekt infrage stellen. Da hängt unheimlich viel Geld dran.“ Letztlich empfahl der Ausschuss einstimmig, dem Vertrag nur unter der Bedingung zuzustimmen, dass PNE bis zur heutigen Ratssitzung weitere Informationen über die neue Betreibergesellschaft liefert.

Das taten die Cuxhavener bereits gestern. Die PNE Wind AG plane und errichte Windparks als Generalunternehmer, teilte Abteilungsleiter Hans-Jürgen Schultz mit. Wenn ein Projekt einen bestimmten Planungsstand habe, würden alle Verträge auf eine Projektgesellschaft übertragen, die den Windpark dann betreibe und finanziere. In diesem Fall sei es die PNE Wind Park XIX GmbH & Co. KG. Ob der Gemeinderat diese Erklärung akzeptiert und dem Vorhaben zustimmt, wird sich heute Abend zeigen.

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