Von Woche zu Woche

Stulpe: Schweigen ist nicht zeitgemäß

Die Zeichnungen reihen sich aneinander – ein Akt von Claus Böttcher, einer von Uwe Bremer unter dem Titel „Liegende Venus im Feuchtgebiet“, ein „Rücken“ von Bruno Bruni, dazwischen andere Werke, unter anderem von Marc Chagall und dem Uelzener Heinrich Heeren.

Wer Bilder sammelt – wie Wolfgang Stulpe – wählt normalerweise Werke aus, die für ihn eine persönliche Bedeutung haben. Eine Kunstsammlung kann deshalb nicht unabhängig von den persönlichen Erfahrungen eines Sammlers betrachtet werden. Das gilt für jeden Kunstliebhaber. Und somit auch für Stulpe, den ehemaligen Leiter des Uelzener Kunstvereins. Eine Ausstellung an dem Namen eines Sammlers aufzuziehen und einen Katalog über ihn herauszubringen, wie jetzt über Stulpes Sammlung, macht also durchaus Sinn. Seine Erfahrungen dabei außen vor zu lassen, funktioniert nicht. Deshalb können die Bilder im Rathaus nicht betrachtet werden, ohne dabei den Missbrauchsvorwurf der Polizei zu berücksichtigen, und den Suizid Stulpes vor zehn Jahren kurz nach der Beschlagnahmung von hunderten heimlich aufgezeichneten Videos, auf denen Uelzener Jungen sich selbst befriedigten. Das aufzuarbeiten, ist notwendig und geschieht auch. Aber das reicht nicht. Traumatisierte mittlerweile erwachsene Männer werden sicherlich die Gänge im Rathaus meiden.

Wer aus Stulpes Umfeld damals etwas von dem Missbrauch geahnt hat, ohne etwas zu sagen, hat es vor sich selbst zu verantworten. Aber im Jahr 2012 weiterhin zum Schweigen aufzufordern und es beim Status Quo zu belassen, ist nicht zeitgemäß und tritt die Arbeit sämtlicher Kinderschützer mit den Füßen. Die Bilder gehören abgehängt.

Von Diane Baatani

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