Von Woche zu Woche

Manche Schuld vergeht nicht

Die Zeit heilt alle Wunden, sagt ein Sprichwort. Das stimmt dann nicht, wenn eine Wunde oder ein Trauma einen Menschen in Psyche oder Physis für sein Leben verändert oder behindert. Verkrüppelung, Erniedrigung, lebenslange Schamgefühle – solche Wunden heilen nicht.

Wer sie schlägt, wird sich stets mit Schuld beschäftigen müssen. Wie gehen wir also mit Schuld um? Aktuellstes Beispiel ist die Stulpe-Ausstellung im Rathaus. Ein menschlich zu kritisierender Mann wird als Person gelobt, und das im öffentlichsten Gebäude der Stadt. Die Bilder seiner Sammlung sind ein Kunstschatz. Dass er damit in Verbindung gebracht wird, ein Makel. Und dass dabei keine Stellungnahme oder Erklärung veröffentlicht wurde, empörend.

Uelzen ist klein genug, dass man hier die Person nicht von der Kunst und vom Opfer trennen kann. Ein richtiger Weg: darüber reden. Der Einleger, den die Stadt gedruckt hat, ist ein akzeptabler Weg. Hier wird das Leid der Opfer nicht ignoriert, sondern dargelegt. Dass die AZ das Thema ausführlich bearbeitet, mag viele stören. Aber alle Medien dieser Nation, auch die AZ, müssen sich mit eigener Schuld auseinandersetzen.

Die Reichspogromnacht jährt sich in der kommenden Woche zum 74. Mal. Damals hat eine Zivilgesellschaft versagt. Und die, die kritisch auf diese Gesellschaft blicken sollen, nämlich die Medien, haben versagt, und zwar in Bausch und Bogen.

Sie haben sich zensieren und instrumentalisieren lassen. Das, und die Reichspogromnacht, wird die AZ in der kommenden Woche thematisieren. Man erinnert sich und gedenkt. Während Amerikaner bei Suderburg nach abgestürzten Bomberpiloten suchen, gedenken Deutschland und die Stadt Uelzen der jüdischen Opfer. Denn manche Wunden heilen eben nicht.

kai.hasse@az-online.de

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