Heimische Energieversorger äußern sich

Strom und Gas als Schuldenfalle? Das sagen Stadtwerke Uelzen und SVO zur Warnung der Caritas

Ehe es zu einer Stromsperre kommt, suchen sowohl die Stadtwerke Uelzen als auch die SVO nach eigenen Angaben im Dialog mit säumigen Kunden nach einer Lösung, mit der am Ende beide Seiten leben können.
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Ehe es zu einer Stromsperre kommt, suchen sowohl die Stadtwerke Uelzen als auch die SVO nach eigenen Angaben im Dialog mit säumigen Kunden nach einer Lösung, mit der am Ende beide Seiten leben können.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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Die steigenden Kosten für Strom und Gas fallen vor allem in Haushalten mit geringem Einkommen stark ins Gewicht. Die Caritas spricht von einer Schuldenfalle – so äußern sich Stadtwerke Uelzen und die SVO dazu.

Uelzen/Landkreis – Die Caritas warnte unlängst nach einer Erhebung unter rund 300 Mitarbeitern ihrer Schuldnerberatung, der Sozialberatung und der Migrationsberatung, dass die steigenden Energiepreise die Armut in Deutschland weiter verschärften.

Ralf Ritter, Schuldnerberater und Geschäftsführer des Caritasverbandes für die Landkreise Uelzen und Lüchow-Dannenberg, sagt: „Die Leute kommen erst in die Beratung, wenn sie gar keinen Ausweg mehr wissen. Etwa wenn ihnen der Strom abgestellt wird, weil sie die Rechnungen nicht bezahlen. Dann sind sie total verzweifelt und erkennen: Jetzt brauche ich sofort Hilfe.“

Spüren die Stadtwerke Uelzen und die SVO als heimische Energieversorger für Hansestadt und Landkreis Uelzen, dass auch hier die Not wächst?

Weniger säumige Haushalte als 2020

„Dieser Rückschluss lässt sich für das abgelaufene Kalenderjahr 2021 bei unserer Kundschaft nicht ziehen. Insgesamt liegt die Anzahl der Haushalte, die ihrer Zahlungspflicht nicht nachgekommen sind, sogar unter den Jahreswerten von 2020“, sagt Franziska Albrecht für die Stadtwerke.

Die Unternehmenssprecherin verweist in diesem Zusammenhang auch auf die in den letzten Jahren zum Schutz von Menschen in finanziellen Notlagen veränderte Rechtslage: „So wurden unter anderem längere Zahlungsfristen eingeräumt. Nichtsdestotrotz befürchten auch wir, dass sich die Problematik durch die stark gestiegenen Energiepreisen in diesem Jahr verschärft. Wir können unserer Kundschaft nur im begrenzten Maße beim Nachkommen ihrer Verpflichtungen unterstützen. So kalkulieren wir anhand der Jahresverbrauchsabrechnung den monatlichen Abschlagsbetrag so genau wie möglich, um unerwartete Nachzahlungen zum Jahresende zu minimieren.“, erläutert Albrecht.

„Zudem bieten wir unserer Kundschaft, die Zahlungsschwierigkeiten hat, Ratenzahlungen auf Außenstände an. Unsere Service-Mitarbeitenden arbeiten eine bestmögliche Lösung für beide Seiten aus“, sagt sie weiter. Sie rät: Wo Zahlungsverzögerungen absehbar seien, solle man sich telefonisch schon vorab melden.

„Sperrung nur in sehr seltenen Fällen“

Thomas Hans ist Pressesprecher der SVO. Er erläutert: „Auch bei uns gibt es Kunden, die ihren Zahlungsverpflichtungen nicht nachkommen. Konkrete Zahlen dazu nennen wir nicht, die Gründe für ausbleibende Zahlungen sind vielfältig und die Abgrenzung ist schwierig. Nur so viel: Einen Anstieg offener Forderungen verzeichnen wir bislang nicht.“ Säumige Kunden würden zunächst schriftlich angemahnt. „Sie können ausstehende Beträge dann ohne weitere Folgen begleichen.

Am Ende unseres mehrstufigen Mahnverfahrens steht die Ankündigung einer Sperre des betroffenen Anschlusses. Zu einer tatsächlichen Sperrung kommt es aber nur in sehr seltenen Fällen. Wir suchen immer gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden nach einer Lösung und stehen beratend zur Seite. So ist zum Beispiel auch eine individuelle Ratenzahlung möglich, bei der offene Beträge dann nach und nach abgebaut werden können“, so Hans weiter.

2020 wurden 230.000 Stromsperren verhängt

Zur Einordnung: Nach dem jüngsten Bericht der Bundesnetzagentur verhängten Energieversorger im Kalenderjahr 2020 in Deutschland sage und schreibe 230.000 Stromsperren. Das tatsächliche Ausmaß sei aber dadurch überdeckt worden, dass sowohl die Politik als auch einige Energieversorger in den ersten Monaten der Corona-Pandemie auf eine strikte Umsetzung der Sanktionsmaßnahme verzichtet hätten, heißt es weiter.

Caritas-Vertreter Ralf Ritter weiß, dass Stromsperren oft Familien treffen, die vor Monatsende kaum noch Geld haben, um einkaufen zu gehen. „Das ist das Schlimmste, was ein Mensch erleben kann“, sagt Ritter. Dann reiche es nur noch für Brot und Nudeln. „Es wird alles gegessen, was den Bauch voll macht und halbwegs satt. Im Extremfall hören Leute ganz auf zu essen. Das habe ich alles schon erlebt in meinen 20 Jahren, in denen ich als Schuldnerberater rund 5000 Menschen beraten habe.“

Am Dienstag legte das Statistische Bundesamt Zahlen vor, nach denen Strom und Gas vor allem einkommensschwache Haushalte stark belasten. Sie mussten 2020 fast zehn Prozent ihrer Konsumausgaben für Energiekosten aufwenden. Zum Vergleich: Über alle Einkommensklassen hinweg waren es 6,1 Prozent. Laut Bundesamt verdoppelte sich im November 2021 der Preis für Heizöl binnen Jahresfrist. Auch die Preise für Erdgas (+9,6%) und Strom (+3,1%) erhöhten sich weiter.

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