Bei Wriedel werden sechs neue 3,5-Megawatt-Windräder errichtet

Baustellenbesuch im Windpark

Baustellenleiter Henry Schaukellis und Projektmanagerin Sandra Ueing von General Electric sowie Projektleiter Thomas Brauer (rechts) am Flügel
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Zähne an den Flügelspitzen reduzieren die Geräuschbelastung durch den neuen Windpark bei Wriedel: Baustellenleiter Henry Schaukellis und Projektmanagerin Sandra Ueing von General Electric sowie Projektleiter Thomas Brauer (rechts).
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3,5 Megawatt leistet jedes der sechs Windräder, das die Bremer Firma Energiekontor bei Wriedel errichtet. Damit entsteht der größte Windpark des Landkreises Uelzen.

VON GERHARD STERNITZKE

Wriedel/Arendorf – Frostig weht der Wind über die Felder. Er lässt die Finger erstarren, während sich die Windräder munter drehen und Strom produzieren. Über zehn Meter pro Sekunde zeigt ein Messgerät am Kran, mehr als Thomas Breuer jetzt gebrauchen kann.

Sechs neue Windräder sind derzeit bei Wriedel und Arendorf im Bau. Zwei sind bereits fertiggestellt. Damit der Kran die Stahlröhren des Turms in die Höhe hieven können, darf die Windgeschwindigkeit nicht mehr als zehn Meter pro Sekunde betragen, erklärt der Projektleiter der Firma Energiekontor. Sogar nur acht dürfen es sein, wenn die Rotorblätter in 121 Metern Höhe an der Nabe verschraubt werden.

Arbeiter bauen den gewaltigen Kran zusammen. Im Hintergrund die Turmsegmente.

Mit der Erweiterung im Westen entsteht der größte Windpark im Landkreis Uelzen. Die sechs neuen 5,3-Megawatt-Anlagen des Herstellers General Electric sollen im Jahr 75 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen. Das entspricht dem Bedarf von 25 000 Haushalten. Im Vergleich dazu leisten die vorhandenen Anlagen gerade mal 1,5 Megawatt.

Das Energiekontor investiert in das Projekt insgesamt 35 Millionen Euro. Allein um den erzeugten Strom ins Netz zu bringen, hat das Unternehmen zehn Kilometer Starkstromkabel bis zum Umspannwerk Stadorf verlegt und dort eine eigene Trafostation errichtet. Allein in jedem Fundament sind 100 Tonnen Stahl verbaut.

Gestern wird zunächst der Kran montiert. Ein Autokran hievt die knallgelb lackierten Gittersegmente hoch, die von Arbeitern verschraubt werden. Gewaltige Gewichte müssen die Lasten ausbalancieren, die in den nächsten Tagen aufgebaut werden. Jedes der sechs Turmsegmente wiegt 30 Tonnen. In jedem ist eine kleine Plattform eingebaut, damit die Arbeiter die Elemente – per Funk mit dem Kranfahrer verbunden – auf den letzten Millimeter justieren und mit unzähligen Muttern verschrauben können.

Man kommt mit den Transportkapazitäten an Grenzen.

Thomas Brauer, Projektleiter

„Das Maschinenhaus wiegt an die 90 Tonnen. Deshalb wird das Getriebe extra eingesetzt. Das wäre sonst zu schwer“, erklärt Projektleiter Brauer. Vier Tage dauert die Montage eines Windrads. Die Prognose ist gut: Heute soll der Wind abflauen.

Nebenan liegen die drei Flügel bereit. Jeder 79 Meter lang, mit roter Markierung, 96 Stifte für die Verbindung mit der Nabe. Die Konstruktion aus glasfaserverstärktem Kunststoff hängt leicht durch. Erst unter dem Wind streckt sich das schnittige Profil, das an den Enden in scharfe Zähne ausläuft. Sie dienen ebenso wie merkwürdige Kanten im unteren Bereich dazu, die Geräuschbelastung zu senken.

Mit 96 Stiften wird jeder der drei Flügel an der Nabe festgeschraubt.

Ein langer Tieflader, der die Kransegmente angeliefert hat, verlässt die Baustelle. Unzählige Räder rollen hintendrein über die Baupiste mit ihren breit ausgebauten Kurven. Schwindelerregende 200 Meter hoch sind die neuen Windräder. Ist damit das Ende des Wachstums erreicht? „Man kommt mit den Transportkapazitäten an Grenzen. Man weiß nicht, wohin die Entwicklung geht“, meint Projektleiter Brauer. Der limitierende Faktor sind die Straßentransporte, besonders die Kurven. Die Flügelspitzen werden mittlerweile schon extra transportiert und erst auf der Baustelle montiert.

Für Akzeptanz der neuen Windkraftwerke sorgt auch Geld. Einen mittleren fünfstelligen Betrag wollen Unternehmen und Grundeigentümer jedes Jahr, abhängig vom Ertrag, an 17 Gemeinschaften spenden. „Kindergarten, Schulverein, Naturbad, Feuerwehr“, zählt Brauer auf. Sechs Cent pro Kilowattstunde erhält Energiekontor.

Seit zehn Jahren arbeitet Energiekontor an dem Projekt. Im April sollen die Windräder fertiggestellt sein. Der Wintereinbruch hat die Arbeiten geringfügig verzögert. Kabel mussten im Container aufgeheizt werden, damit sie verbaut werden konnten. Von fern wirken die Windräder filigran, aber in der Höhe wirken gewaltige Kräfte.

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