Streik-Chaos: Der Niedergang des Metronom

Es ist eine Situation, in der es nur Verlierer gibt. Da ist zum einen die Lokführer-Gewerkschaft GDL, deren Funktionäre sich morgens um sieben wohl auf keinem Pendlerbahnhof im Norden mehr blicken lassen dürfen.

Da ist die Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom, deren Ruf als zuverlässiger Nahverkehrsversorger zunehmend leidet. Und da sind natürlich die Fahrgäste des Metronom, die seit Monaten zittern müssen, ob die blaugelben Doppelstockwagen sie zur Arbeit und wieder zurück an den Wohnort bringen, oder ob die GDL wieder einen ihrer mittlerweile gefürchteten Spontanstreiks ausgerufen hat.

Letztere, die Fahrgäste, sind die Opfer dieses Tarifstreites. Sie sind unverschuldet in eine Situation geraten, die manchen schon zur Kündigung der Monatskarte und den Umstieg aufs Auto veranlasste. Die beiden anderen Parteien aber tragen einen Großteil der Schuld daran, dass die Situation heute so vertrackt und aussichtslos erscheint. Da ist zum einen die Gewerkschaft GDL, die auf die Spielfläche trat, als sich das Zugpersonal eigentlich schon mit den anderen Gewerkschaften und den Arbeitgebern geeinigt hatte. Die GDL aber wollte alles. Ein Vertrag für alle, egal wo sie arbeiten und ungeachtet jeglichen Wettbewerbs.

Dass das ein gewagtes Spiel werden würde, muss den Funktionären klar gewesen sein. Doch dass die derzeitige Situation ihnen nicht mehr behagt, machen jüngste Pressemitteilungen der GDL deutlich, in denen man unter anderem geradezu flehentlich darauf hinweist, dass man doch das Unternehmen und nicht die Fahrgäste bestreike. Der Betrachter ahnt da, wie in diesen Tagen die geballte Pendlerwut auf die GDL einschlägt – zu Recht.

Denn ein Streik ist ein scharfes Schwert und die Gewerkschaft hat dabei jegliches Augenmaß verloren. Doch da ist auch noch der Metronom. Bei dem Uelzener Unternehmen beobachten Branchenkenner seit rund einem Jahr einen schleichenden Niedergang, der jetzt in einem katastrophalen Streik-Krisenmanagement gipfelt. Seit im April 2010 die beiden Geschäftsführer und Gründungsväter gefeuert wurden, weil sie sich für Metronom engagierten und dabei zu wenig schlechte Kompromisse mit den Gesellschaftern eingingen, geht es mit den Uelzener Eisenbahnern bergab.

Schon lange wurde gewarnt, es reiche nicht, einen neuen Geschäftsführer zu installieren, der den Uelzener Job gewissermaßen nebenbei mit erledigt. Ein großer Aderlass in der frustrierten Führungsebene war die Folge, zum Jahreswechsel gab es dann mit der misslungenen Einführung der eigenen Fahrkartenautomaten das erste Fiasko. Und jetzt der Streik der GDL.

Während andere private Eisenbahnen ihre Kunden längst mit einem verlässlichen Ersatzfahrplan informieren, herrschte beim Metronom auch Monate nach Beginn der Tarifauseinandersetzungen noch das nackte Streik-Chaos. Und die Kunden wenden sich ab. Die Geschäftsführung setzt ganz auf polemische Attacken gegen die GDL.

Souveränes Krisenmanagement sieht anders aus. Die Gewerkschaft gibt derweil zwar kein besseres Bild ab, räumt aber intern auch ein, dass mit den beiden geschassten Metronom-Geschäftsführern ein ganz anderer Verhandlungston geherrscht hätte. Ob es bald eine Einigung gibt oder nicht – der Ruf des Uelzener Unternehmens leidet weiter.

Und es ist keiner da, der in diesem Chaos die Notbremse zieht.

Thomas.Mitzlaff@cbeckers.de

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