Der lange Winter lässt Arbeiten auf dem Bau, in Garten und Landwirtschaft erstarren

Stillstand im Schnee

Maschinen und Material ruhen auf Baustellen und Feldern – der Winter hat die Arbeiten zum großen Teil auf Eis gelegt. Fotos: Wendlandt

Uelzen.

Harken und Spaten liegen in der Ecke, Betonmischer stehen still und in den Scheunen der Bauernhöfe warten auf Hochglanz polierte Geräte und Maschinen auf ihren Einsatz auf dem Acker – der hartnäckige Winter hat Branchen wie den Gartenbau, das Baugewerbe oder die Landwirtschaft in weiten Teilen lahm gelegt.

Was derzeit auf dem Bau laufe? „Überwiegend gar nichts“, fasst es Horst Saevecke lakonisch zusammen. Der Kreishandwerksmeister ist selber Bauunternehmer und weiß, wovon er spricht. Das Bauhauptgewerbe, zu dem neben dem Straßenbau auch Hoch- und Tiefbau gehören, sei zwar extrem saisonabhängig und wer damit zu tun habe, sei auch längst daran gewöhnt. Doch ein Winter mit Schnee und Eis bis Ende März – „das nervt schon ein bisschen“, räumt Saevecke ein.

Die meisten Arbeiten auf dem Bau können bei Minusgraden gar nicht durchgeführt werden, erklärt er. Beton könne bei den Temperaturen nicht durchtrocknen, Material sei angefroren und auch, was die Arbeitssicherheit auf den Baustellen betreffe, sei der Winter ein denkbar schlechter Handlanger. „Wir können zwar drinnen arbeiten“, sagt Horst Saevecke, „uns reicht ja schon aus, wenn wir wenigstens über 0 Grad haben.“ Tückisch aber sei das derzeit wechselhafte Winterwetter: mal Plusgrade, mal Minustemperaturen. Man denke dann, es könne wieder losgehen, aber dem sei dann doch nicht so. Mindestens zweimal am Tag geht der Blick auf die Wettervorhersage, verrät der Kreishandwerksmeister, denn: „Man wird ja langsam hibbelig.“

Gut nur, dass die kalte Jahreszeit durch die sogenannte Saisonkurzarbeiterregelung abgesichert sei, ist Horst Saevecke froh. Denn während im Sommer viel zu tun ist und sich Plus-Stunden ansammeln, können diese im Winter zwischen Dezember und März wieder abgebaut werden. Bezahlt werden sie aus einer Umlage von Arbeitgeber und Arbeitnehmer.

„Das hat viele Vorteile für die Mitarbeiter“, erklärt Saevecke, denn einerseits sei somit der Job auch außerhalb der Saison gesichert, und andererseits legt die Agentur für Arbeit für jede im Winter nicht gearbeitete Stunde noch zwei Euro obendrauf. „Weil die ja sonst alle zur Agentur gehen und stempeln würden“, bringt es der Kreishandwerksmeister auf den Punkt.

Klar könne es passieren, dass bei einem langen Winter wie jetzt die Plus-Stunden-Konten aufgebraucht seien. Und Saevecke geht davon aus, dass der Bau auch in der nächsten Woche noch nicht in Gang kommt. „Dann täte es irgendwann richtig weh“, sagt er, „denn kein Umsatz bedeutet auch kein Gewinn, und für Mitarbeiter könnte das unbezahlten Urlaub heißen. Aber darüber wollen wir gar nicht nachdenken. Für uns ist Stichtag am 2. April, dann wollen wir wieder loslegen.“

Frank Melson sieht das ähnlich. Der 1. Vorsitzende des Kleingärtnervereins „Im Wullhop“ an der Hauenriede scharrt ebenso wie seine Mitgärtner bereits, allerdings nur mit den Füßen. Denn Kompost anlegen, Sträucher schneiden und Rasen mähen sind noch lange nicht angesagt. „Die meisten von uns wären um diese Jahreszeit schon längst im Garten gewesen“, sagt er, „und einige sind auch in der kalten Jahreszeit mal dort, haben einen Feuerkorb angezündet und nach dem Rechten gesehen.“ Aber die Gartenarbeit ruhe dieses Jahr besonders lange.

Und damit fehle Melson und seinen Mitstreitern nicht nur „ein Ausgleich für den Arbeitsalltag“, sondern auch das Gestalten und Schaffen und frische Luft. „Der lange Winter“, sagt er, „zieht einen ja sowieso runter. Da wäre ein Garten, der lebt, ein schöner Ausgleich. Wo man etwas machen kann. Oder eben auch nicht“, grinst er.

Michael Mantau und Arnold Kirchhecker vom Schaustellerverband Uelzen können ebenfalls ein Lied vom langen Winter singen. Ein Klagelied. Denn sie leben für die Saison in der warmen Jahreszeit, sind darauf angewiesen, dass dann die Kasse klingelt, damit der Winter überstanden werden kann. „Wenn es dann so lange kalt bleibt, wird das schwierig“, sagt Arnold Kirchhecker und spricht aus, was so viele denken: „Wir haben auf Winter wirklich keine Lust mehr, es reicht jetzt.“

In der Landwirtschaft herrscht ähnlich gedämpfte Stimmung: „Die Vegetation hinkt jetzt schon etwa 14 Tage hinterher“, sagt Kreislandwirt Thorsten Riggert. Das Einzige, was man bislang habe tun können, sei das Ausbringen des Düngers für Getreide gewesen. Dann war aber auch schon Schluss. „Normalerweise wären jetzt schon die Rüben gedrillt“, erklärt Riggert, „aber bei gefrorenem Boden, da geht nichts. Alles, was in der Region angebaut wird, muss ja ausgesät werden. Und dafür brauchen wir acht Grad plus, damit die Saat dann auch keimen kann.“

Von möglichen Negativauswirkungen auf die Ernte will er zum jetzigen Zeitpunkt noch gar nicht reden. „Man spricht ja von einer Temperatursumme, die zusammenkommen muss, damit sich doch noch alles zurecht wächst.“ Wenn es also im April und Mai durchschnittlich wärmer wird als sonst, dann geht nochmal alles glimpflich aus.

Und während der Getreideanbauer froh ist, dass wenigstens Schnee liegt, der jetzt nämlich die an den ersten wärmeren Tagen ausgetriebenen Hälmchen isoliert, müssen vor allem Kollegen der Tierhaltung wegen des Winters tief in die Tasche greifen. „So eine Sau“, weiß Riggert, „möchte gern um die 18 Grad haben, ein kleines Ferkel 34 Grad. Da kommt einiges an Heizkosten zusammen, wenn der Winter so lang ist.“

Von Ines Bräutigam

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