59-jähriger Uelzener zu fünfeinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt

Zwölfjährige missbraucht

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Uelzen/Lüneburg. Ein 59-jähriger Uelzener ist gestern vor dem Landgericht Lüneburg wegen schweren sexuellen Missbrauchs zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Der Mann hatte sich im Jahr 2011 mehrmals an der zwölfjährigen Tochter seiner damaligen Lebensgefährtin vergangen und einige Taten mit seinem Handy aufgenommen. Die Straftaten waren erst im vergangen Sommer bekannt geworden, als der Mann auf einem Uelzener Kleingartengelände sein Handy verloren und die Finder des Gerätes Videos und Fotos von den Missbrauchsfällen entdeckt hatten.

Mit müdem Blick verfolgt der 59-Jährige gestern die Plädoyers, schicksalsergeben, mit gefalteten Händen, den Blick meist gesenkt, nur seine Kiefermuskulatur ist in Bewegung. Fünf Jahre und neun Monate fordert die Staatsanwaltschaft Lüneburg vor der Zweiten Großen Jugendkammer in ihrem Plädoyer dafür, dass der Mann über einen Zeitraum von April bis Dezember 2011 daheim im Wohnzimmer, im Schlafzimmer und in einer Gartenlaube des Kleingärtnervereins an der Hauenriede das Mädchen missbraucht und zu sexuellen Handlungen genötigt und dabei fotografiert und gefilmt hat.

Die Verteidigerin des Angeklagten erläutert in ihrem Plädoyer den Zustand ihres Mandaten: „Er ist durch die Untersuchungshaft so stark beeindruckt, dass er nur noch ein Schatten seiner selbst ist. Der Mann ist wirklich fix und fertig.“ Aus diesem Grund und da er durch ein Geständnis der Zwölfjährigen und auch dem Gericht die Aussage des Opfers erspart habe, drängte die Verteidigerin auf fünf Jahre und drei Monate Freiheitsstrafe.

Als wenig später der Vorsitzende Richter Thomas Wolter das Urteil verliest, bricht der 59-jährige Täter in Tränen aus. Drei Fälle von schwerem sexuellen Missbrauch, sieben Fälle von sexuellem Missbrauch und der Besitz von kinderpornografischen Schriften werden dem Uelzener vom Gericht zur Last gelegt. Dass der Mandant die Anklagepunkte in vollem Umfang einräumte, die unzweifelhaften Handyaufnahmen sowie eine Aussage der Lüneburger Gynäkologin, die das Opfer im Herbst vergangenen Jahres untersucht hatte, würden die Tatvorwürfe untermauern, sagt Wolter. Der Angeklagte habe zwar im Gespräch mit einem Psychologen betont, dass er nicht gegen den Willen der Zwölfjährigen gehandelt habe – Videos würden allerdings das Gegenteil belegen, so der Richter.

„Es ist wichtig, dass Sie sich später mit den Taten auseinandersetzen“, betont Wolter. Ansonsten werde sich seine Haltung langfristig in der Sozialprognose widerspiegeln und so könne es dazu kommen, dass er „die Strafe bis zur Endzeit absitzen“ müsse. Der Sachverständige Jürgen Lotze, Arzt für Psychiatrie, hatte zuvor prognostiziert, dass lediglich eine Wahrscheinlichkeit von rund sechs Prozent bestehe, dass der Mann erneut straffällig werde.

Dass die Bedingungen für Häftlinge, die wegen Kindesmissbrauch inhaftiert sind, hart seien, fügt Thomas Wolter in seiner Urteilsbegründung hinzu. Da der 59-jährige Verurteilte vor wenigen Tagen Geburtstag hatte, könne er es durchaus als ein „gewisses Geburtstagsgeschenk“ verstehen, „dass Sie hier nicht mit einer Sicherungsverwahrung einsitzen müssen“, ergänzt der Vorsitzende Richter in seinem eindringlichen Schlusswort.

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