Polizei Uelzen wird für gefährliche Einsätze trainiert / Neue Schutzwesten halten Kriegswaffen stand

Zwischen Teddy und Terror

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In den Kofferräumen der Polizei-Passate ist viel Platz. Platz, den die Uelzener Polizisten gut gebrauchen können. Ausrüstung zur Spurensicherung, um bei Unfällen für Sicherheit zu sorgen oder auch ein Teddy, um Kinder zu trösten. Neu sind die Schutzwesten der Klasse 4, die die Beamten im Zweifelsfall auch vor den Schüssen aus schweren Kriegswaffen schützen sollen. 

Uelzen. Bomben, Schüsse, Messerattacken, todbringende Lastwagen. In Paris, Brüssel und Manchester, in München und Berlin. Terror-Attentate sind in Europa fast allgegenwärtig, sie haben mittlerweile auch Deutschland erreicht.

In einer kleinen Stadt wie Uelzen scheint das Thema weit weg zu sein – eine Einschätzung die seitens der Leitung des Polizeikommissariats allerdings überhaupt nicht geteilt wird.

Im Gegenteil. Die Vorbereitung auf besonders gefährliche Einsätze spielt auch hier eine immer größere Rolle. Bis Ende 2017 sollen so viele Uelzener Beamte wie möglich an der Seminarreihe „Bewältigung besonderer Einsatzlagen“ teilnehmen, berichtet Holger Burmeister, Chef der Polizei Uelzen. Dabei geht es nicht nur um Terror, sondern auch um Amokläufe, wahllose Attacken psychisch kranker Täter oder Geiselnahmen, bei denen viele Menschen gefährdet sein können. Durch Täter, die sie im Extremfall töten wollen. „Das ist nicht weit weg, solche Situationen können überall auftreten“, sagt Burrmeister.

Aus seiner Sicht hat sich das allgemeine Gefährdungsbild erheblich verändert. Und vor diesem Hintergrund wird die Polizei, auch in Uelzen, durch das Land ganz anders ausgerüstet: Schon heute befinden sich in jedem Uelzener Streifenwagen zwei Schutzwesten der Klasse 4. Die Platten dieser Schutzkleidung wiegen zusammen 15 Kilogramm und schützen auch vor Kriegswaffen wie Kalaschnikows. Sie können im Bedarfsfall angelegt werden. Die üblichen Schutzwesten halten nur „normale“ Munition ab und werden ohnehin getragen. Geplant ist außerdem die Ausrüstung mit ballistischen Schutzhelmen und Leuchtpunkt-Visieren für die Maschinenpistolen des Typs MP5, die bereits zur Ausrüstung gehören – auch wenn im Alltag Besen und Teddybären noch die wichtigeren Begleiter sind, um nach Unfällen Kinder zu trösten oder gefährliche Hindernisse zu beseitigen.

Bei besonderen Gefahrenlagen würden die Beamten nach dem Grundsatz „die oberste Priorität hat der Schutz von Menschenleben“ handeln, berichtet Hans-Jürgen Nischk, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Diese Situationen werden zunehmend häufig trainiert, oft auf einem Gelände in Lüchow. Dazu gehört die Konfrontation mit dem Täter, teils unter Beschuss mit Übungsmunition, die brennt und für blaue Flecken gut ist. Auch das taktische Vorgehen allgemein wird geübt – ein wertvolles Training für die Beamten, die dazu verpflichtet sind, ein höheres Risiko als ein normaler Bürger einzugehen. Auch, weil es in alltäglichen Situationen wie bei Fällen von häuslicher Gewalt wertvoll sein kann.

Dieses Training steht auch im Zusammenhang mit einer grundsätzlichen Veränderung im taktischen Vorgehen der Polizei. Sei in der Vergangenheit die Marschroute gewesen, eine gefährliche Lage „einzufrieren“ und auf das Eintreffen eines Sondereinsatzkommandos zu warten, werde heute angestrebt, den Täter durch die ersten Beamten vor Ort schnell zu binden, von seinem Tatplan abzubringen, ihn im Zweifel zur Rettung von Menschenleben auch zu töten. „Wenn es brennt, geht jeder rein“, sind die Vorgesetzten von der Entschlossenheit ihrer Kollegen in der „ersten Phase“ überzeugt.

Neben dieser ersten Phase ist je nach Lage ein komplexes Zusammenspiel diverser beteiligter Institutionen denkbar und nötig. Von Feuerwehr über Rettungskräfte und Notärzte, Sondereinsatzkommandos, die neue Anti-Terror-Einheit der Bundespolizei am Hainberg oder auch die Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes – es können sehr viele Räder sein, die im Extremfall ineinandergreifen müssen – auch dieses Zusammenspiel wird regelmäßig trainiert. Gänzlich neu sind Großlagen für die hiesigen Beamten allerdings nicht. Vor allem bei den Castor-Transporten wurden schon reichlich reale Erfahrungen gesammelt.

Von Steffen Kahl

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