Nach 50 Jahren kommt ein Uelzener wieder nach Japan – und trifft eine Uelzerin

Zwischen Palast und Moderne

Zum kaiserlichen Palast ist Schlichtenhorst auch bei der diesjährigen Reise wieder gefahren.

Uelzen/Tokio. Es sind zwei Bilder, die so gleich und doch so unterschiedlich sind – ihr Motiv zeigt denselben Ort mit demselben Menschen davor. Und doch hat sich so viel verändert in der Zwischenzeit: Ziemlich genau 50 Jahre liegen zwischen den beiden Fotografien.

Entstanden 1962 und 2012 zeigen die Aufnahmen den Uelzener Rolf Schlichtenhorst vor dem Haupteingang zum kaiserlichen Palast in Tokio, Japan.

Gut 9000 Kilometer liegen zwischen Heimatstadt und dem aufregenden Fernreiseziel, das damals, vor fünf Jahrzehnten, mitnichten nur touristische Station, sondern vielmehr Wegmarke einer spannenden beruflichen Karriere war: Schlichtenhorst, gelernter Hotelfachmann, fuhr zur See. 1962 war es seine insgesamt zweite von neun Ostasien-Reisen, die er als Steward auf Schiffen des Norddeutschen Lloyds begleitete. Durch die MS Schwabenstein gelangte er schließlich nach Yokohama – und war begeistert von der Fremdartigkeit des Landes, den prachtvollen Gärten und der geheimnisvollen Kultur, dem so ungewohnten Essen und dem damals noch für westliche Augen so besonderen Kleidungsstil.

Rolf Schlichtenhorst vor 50 Jahren in Japan: Auf seiner Reise suchte er den kaiserlichen Palast in Tokio auf. In diesem Jahr fuhr er erneut in das ferne Land. Fotos: Privat

Unbedingt wiedersehen wollte er dieses Land, „es war irgendwie Liebe auf den ersten Blick“, erklärt Schlichtenhorst. Die Liebe erlosch nicht, allerdings sollte es 50 Jahre dauern, bis sie wieder zum Leben erweckt werden sollte. „Jetzt oder nie“, sagte der Uelzener sich vor einigen Monaten, „immerhin bin ich jetzt 70, wer weiß, was noch kommt?“ Die Kreuzfahrt auf der MS Columbus wurde gebucht, die Koffer gepackt und auf ging es in den fernen Osten, mit Stationen in Shanghai, Hiroshima, Kobe, der Insel Taketomi mit feinem sternenförmigen Korallensand und Yokohama bis ins philippinische Manila. Aufregend waren die Erfahrungen, „ganz viel hat sich verändert“, musste Schlichtenhorst feststellen: „Die Skyline, aber auch Dinge wie der Kleidungsstil – fast niemand lief mehr im traditionellen Kimono durch die Gegend.“

Mehr als 3100 Seemeilen war die Reise lang – und führte doch wieder zurück zu etwas sehr Heimatverbundenem: Dem Treffen mit einer „alten“ Uelzenerin: Janine Höfer. Aufgewachsen in der Uhlenköperstadt zog die junge Frau vor einigen Jahren in die Metropolregion Tokio, wo sie heute mit ihrer Familie lebt – und für die AZ bereits von dem Alltag nach dem Erdbeben, Tsunami und dem Reaktorunglück von Fukushima berichtete.

Von ihrer Schwester, die Schlichtenhorst seit vielen Jahren über Freunde kannte, erhielt er ihre Telefonnummer, nahm Kontakt auf – und die Verabredung war gemacht. „Es war das Highlight der ganzen Reise“, freut sich Schlichtenhorst noch immer über die Begegnung, „sofort“ habe man sich verstanden und jede Menge Erinnerungen ausgetauscht – über Uelzen und auch Japan, das vor 50 Jahren noch so ganz anders war.

Von Janina Fuge

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