Generationen im Wandel: Schüler und Senioren diskutierten in der BBS II

Zwischen Flucht und Handy

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Antonia Funke (2. von rechts) und ihre Mitschülerinnen stehen vor wichtigen Fragen zum demografischen Wandel. Welche Herausforderungen hatten die Senioren zu bewältigen, die in der BBS II zu Gast waren?

Uelzen. Der Wandel der Generationen hat Schüler und Senioren in der Georgsanstalt/Berufsbildende Schulen II beschäftigt.

Die angehenden Sozialassistenten mit dem Schwerpunkt Persönliche Assistenz wollten sich nicht nur in der Theorie damit auseinandersetzen, was eine bessere medizinische Forschung für Auswirkungen auf die Gesellschaft hat. Sie wollten es von der älteren Generation hören. Und somit luden sie auch in diesem Jahr wieder den Besuchsdienst der Stadt Uelzen und ehrenamtliche Seniorenbegleiter des Familienservicebüros in ihre Räume an der Esterholzer Straße ein, um deren ganz persönliche Lebensgeschichten zu hören – und um festzustellen, dass ihre Lebensläufe eigentlich so gut gar nichts mit denen der Gäste gemein haben.

Werner Ludwig ist im Kleinkind-Alter mit seiner Familie aus Polen geflüchtet. Was er in jungen Jahren erlebte, prägt ihn bis heute, berichtet er. Die Erlebnisse der Frauen auf der Reise, umringt von russischem Militär, die Ankunft im Bohldamm-Lager, das Zusammenleben zu sechst in einem Zimmer – Bilder, die er nicht vergessen kann. Eine Zeit „auf Leben und Tod“, das könne man sich heute gar nicht mehr vorstellen, vermutet er. Die Jugendlichen der BBS nicken und hören gespannt den einzelnen Geschichten zu, die sie in ähnlicher Art nur aus dem Fernsehen und aus Geschichtsbüchern kennen. Aus seinen eigenen Erfahrungen heraus gibt Ludwig ihnen auf den Weg, eine gute Beziehung zur Familie zu wahren. Er habe seine Mutter gepflegt, als sie im Sterben lag. Und was diese auf der Flucht durchgemacht habe, um das Leben ihres Sohnes und der restlichen Familie zu schützen, habe er versucht durch diese Unterstützung wieder gutzumachen. „Dieses Miterleben, wenn jemand sein Leben zu Ende geht, ist eine ganz wichtige Sache“, sagt der Uelzener bestimmt.

Die meisten Senioren, die sich selbst engagieren, stellen sich ihre eigene Zukunft jedoch anders vor. Jutta Rohde etwa möchte nicht unbedingt von ihren eigenen Kindern gepflegt werden, sagt sie. Aber Unterstützung von ihnen sei ihr wichtig. Und damit stimmt sie mit den jungen Frauen am runden Tisch überein. „Ich würde meine Großmutter pflegen, aber ich bin mir nicht sicher, ob sie das überhaupt will“, verrät die Schülerin Antonia Funke, die ihrer Großmutter regelmäßig beim Einkaufen hilft.

Auch wenn die Jugendlichen im Vergleich zu den Gästen unter politisch ruhigen Umständen aufgewachsen sind, stehen sie ebenfalls vor Herausforderungen. Und zwar vor den Problemen, die der demografische Wandel mit sich bringt, stellen Jung und Alt am Tisch fest. Und: „Die jungen Leute müssen sich mit der Konsumwelt arrangieren“, sagt Michael Grieves. „Mein Sohn hat drei Handys, ich will gar kein Handy.“ Der Trend, immer erreichbar zu sein, sei ihm völlig fremd. Den Schülerinnen hingegen ist es vollkommen fremd, nicht immer erreichbar zu sein. Mobilfunk sei dringend notwendig. Als sie einen Unfall hatte, war sie froh, ein Handy dabei zu haben, erläutert Joana Nadine Pedros Ventura und erntet in dem Fall zustimmendes Kopfnicken. Und dennoch wird mit einer gewissen Gelassenheit deutlich: Es gab schwierige Zeiten, die die Senioren ohne Handys überstanden haben.

Von Diane Baatani

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