Lovemobile: Politik positioniert sich zu Schreiben der Kreisverwaltung an die Polizeidirektion

Zwischen Farce und Furcht

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Zu käuflichen Liebesdiensten in Wohnmobilen an der Bundesstraße 4 gibt es im Uelzener Kreistag unterschiedliche Meinungen.

Uelzen/Landkreis. Mit ihrer Bitte an die Polizeidirektion Lüneburg, zwischen dem Suderburger Kreisverkehr und Breitenhees entlang der Bundesstraße 4 eine Sperrgebietszone für die sogenannten Lovemobile auszuweisen, hat die Uelzener Kreisverwaltung nun auch eine politische Diskussion ausgelöst.

Während die einen die Häufung der Wohnmobile, in denen Frauen Liebesdienste gegen Geld anbieten, ein Dorn im Auge ist, können andere in der Situation keine Probleme erkennen.

„Ich finde es eine Farce“, sagt Jacques Voigtländer, Vorsitzender der SPD-Kreistagsfraktion, und meint damit nicht nur die Argumente, die von der Kreisverwaltung vorgebracht wurden: den Jugendschutz und die Wahrung des öffentlichen Anstands. „Wie kommt der Landkreis dazu, auf Ansage von Herrn Hillmer so etwas zu wünschen?“ Der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer hatte, wie berichtet, nach einem Überfall auf eine junge Frau in einem Lovemobil an der B 4 eine Anfrage auf Prüfung einer Sperrgebietszone an den Landtag gestellt.

Mehr noch: „Wenn es eine Beschlusslage der Politik zu diesem Thema geben würde, wäre es ja noch in Ordnung“, findet Voigtländer. Zurzeit aber verhalte sich der Landkreis als „Anschein-Erwecker“, der nämlich mit seinen Juristen in der Verwaltung sehr wohl wisse, dass er keinen Antrag in dieser Sache an die Polizeidirektion stellen könne und sein Anliegen daher „scheinheilig“ als Bitte um Prüfung verpackt habe.

Claus-Dieter Reese, Vorsitzender der CDU/FDP/RRP-Gruppe im Uelzener Kreistag, stellt derweil fest: „Einzelne Lovemobile wären für mich noch akzeptabel. Das ist eine Sache der Toleranz, und gäbe es keine, würde das möglicherweise wieder andere Probleme verursachen.“ Allerdings müsse eine Häufung dieser mobilen Liebesdienste unterbunden werden. Denn wo es viele Lovemobile gebe, dort gebe es auch viele Zuhälter, Rivalitäten könnten zu einer Häufung von Kriminalität führen, fürchtet Reese und ist daher der Meinung: „Das muss verhindert werden.“

„Wenn die Sache so gefährlich ist“, hält Jacques Voigtländer dagegen, „dann hätte die CDU im Land und der Landkreis Uelzen seit 2007 die Möglichkeit gehabt, etwas zu tun.“ Dass erst jetzt, nach dem Überfall auf die Prostituierte, derlei Diskussionen entstünden, habe für ihn mit „aus der Verantwortung stehlen“ zu tun, weil man die Schuld auf die neue Landesregierung schieben wolle.

Uwe Beecken kann in den Lovemobilen „keine anrüchigen Dinge“ entdecken. „Bislang hat niemand Anstoß daran genommen, warum jetzt auf einmal?“ Argumente des Jugendschutzes kann er angesichts der Dinge, die sich junge Menschen heutzutage im Internet ansehen könnten, keineswegs nachvollziehen. „Wenn es um die Sicherheit der Damen gehen würde, würde ich das Anliegen des Landkreises sofort unterstützen“, sagt er. Durch eine Sperrgebietszone befürchtet er ebenso wie die Grünen-Kreistagsfraktionschefin Birgit Ohrenschall-Reinhardt nur eine Verlagerung des Problems: „Die fahren dann noch tiefer in den Wald hinein, und dann ist die Sicherheit der Frauen erst recht gefährdet“, so Beecken.

Von Ines Bräutigam

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