Ein Kommentar zur Erweiterung der Ostfalia-Hochschule in Suderburg von AZ-Redakteur Bernd Schossadowski

Im Zweifel für die Senioren-Wohnanlage

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Die Ostfalia-Hochschule in Suderburg soll erweitert werden.

Suderburg. Mit diesem Pfund würden viele Kommunen gerne wuchern: Suderburg verfügt mit der Ostfalia über eine renommierte Hochschule, die seit Jahren einen Boom erlebt.

Gestiegene Studentenzahlen, neue Forschungsprojekte und eine wissenschaftliche Vorreiterrolle nicht nur im Bereich der nachhaltigen Bewässerung zeichnen die Suderburger Ostfalia aus.

Um diese Entwicklung zu beflügeln, haben die örtliche Politik und Verwaltung die Hochschule in jeder Hinsicht unterstützt. Und so ist nun der Weg frei für deren Erweiterung. Sowohl „In den Twieten“ als auch an der Herbert-Meyer-Straße sollen neue Hochschulgebäude errichtet werden.

Doch auch, wenn die Gemeinde der Ostfalia alle Vorausetzungen für eine positive Entwicklung bietet, sollte sie andere wichtige Projekte im Ort nicht vernachlässigen. Dazu gehört der Wunsch des ambulanten Pflegedienstes „Medikom“, gemeinsam mit einem Investor eine betreute Senioren-Wohnanlage zu errichten. Mitten in Suderburg sollen für mehrere Millionen Euro insgesamt 60 Wohneinheiten geschaffen werden. Es wäre eine große Chance für die Entwicklung der Gemeinde.

Doch der Rat zögert, denn er steckt in einem Dilemma: Soll er eine etwa 6000 Quadratmeter große Gemeindefläche an den Wohnanlagen-Investor verkaufen oder dieses Grundstück für eine mögliche Erweiterung der Ostfalia vorrätig halten? Eine Entscheidung haben die Politiker jetzt noch einmal vertagt, weil sie darauf hoffen, eventuell eine Kompensationsfläche erwerben zu können.

Dabei hätte der Rat ein deutliches Signal setzen können: Die geplante Wohnanlage ist in Suderburg sehr willkommen, weil sie nicht nur älteren Menschen zugutekommt, sondern damit auch eine nennenswerte Zahl an Arbeitsplätzen geschaffen wird. Eine solche Chance bietet sich nicht alle Tage. Anstatt auf einen ungewissen Ausbau der Ostfalia irgendwann in der Zukunft zu hoffen, hätte der Rat lieber dem Investor den Zuschlag erteilen sollen.

Denn ganz so konsequent wie gedacht verfolgt die Hochschule ihre Erweiterung derzeit nicht. Deutlich zeigt sich, dass die Ostfalia ihre baulichen Möglichkeiten auf dem Campus nicht ausreizt. Rein rechtlich hätte sie ein mehrgeschossiges Gebäude „In den Twieten“ errichten können, dort entsteht aber nur ein eingeschossiger Bau. Und ob die Ostfalia in einigen Jahren wirklich noch ein weiteres Grundstück im Ort benötigt, ist fraglich.

Es bleibt zu hoffen, dass der Wohnanlagen-Investor wegen der anhaltenden Verzögerungen nicht abspringt und sein Projekt woanders realisiert. Würde die Gemeinde dann auch noch auf ihrer Vorratsfläche sitzen bleiben, hätten alle Seiten verloren.

VON BERND SCHOSSADOWSKI

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