Tod eines Babys: Freund der Angeklagten macht vor Gericht widersprüchliche Aussagen

Zweifel an der Glaubwürdigkeit

Uelzen/Lüneburg. Im Prozess gegen eine 21-jährige Uelzenerin, der die Staatsanwaltschaft Lüneburg vorwirft, im November 2011 ihr Neugeborenes getötet zu haben, haben gestern Vormittag vor der Jugendkammer des Lüneburger Landgerichtes die Mutter und der Freund der Angeklagten ausgesagt.

Beide beschreiben die junge Frau als schüchtern, eher unreif und leicht zu dominieren.

Das Baby der jungen Frau war, wie berichtet, in ein Frotteetuch eingewickelt in einem Mülleimer in ihrer Wohnung gefunden worden. Sie selber habe eine Schwangerschaft nicht bewusst wahrgenommen, sondern sich nur krank gefühlt, hatte die 21-Jährige am ersten Verhandlungstag angegeben. Ihr Freund, der nachweislich der Vater des Kindes und zur Zeit des Vorfalls in Afghanistan gewesen ist, bestätigt dieses Unwohlsein gestern vor Gericht.

Allerdings wirft die Staatsanwältin dem jungen Mann Unglaubwürdigkeit vor: So habe er in der Vernehmung mit der Polizei gesagt, das Thema Schwangerschaft sei nach einem negativ verlaufenen Urin-Test abgehakt gewesen. Ein SMS-Dialog belegt aber, dass er die junge Frau aufgefordert hatte, ihm ein Ultraschallfoto des Ungeborenen nach Afghanistan zu schicken. „Diese Widersprüche lassen mich massiv daran zweifeln, dass das, was Sie hier sagen, richtig ist“, meint die Staatsanwältin.

Während sich Gericht und Sachverständige auch gestern, im dritten Prozesstag, ein Bild von der geistigen Reife der Angeklagten zu machen versuchen, berichtet deren Mutter, dass sie zwar den Verdacht einer Schwangerschaft bei ihrer Tochter gehabt habe, sich aber nicht sicher gewesen sei. „Dann hätte sie sich an mich gewandt“, meint die 48-Jährige. Auch der Freund der Angeklagten gibt an, dass eine Schwangerschaft nur „Mutmaßung“ gewesen sei.

Die Antworten des jungen Mannes kommen zögernd und leise. Als er den Charakter seiner Freundin beschreiben soll und sie als eifersüchtig, flirtfreudig und „selbstständig, aber bequem“ bezeichnet, lacht die junge Frau leise in sich hinein.

Wie genau das Baby im November vergangenen Jahres zu Tode kam, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 21-Jährige das Kind nach der Geburt getötet hat. Diese hatte angegeben, sie sei in der Wohnung gestürzt, habe sich den Kopf aufgeschlagen und könne sich an nichts erinnern.

Weitere Sachverständige, unter anderem ein Experte für Geburtsfragen, sollen im Laufe der kommenden Verhandlungstage nun Aufschluss darüber geben, ob das neugeborene Mädchen auch durch einen Unfall gestorben sein könnte. Die nächsten Prozesstage sind für den 2., 4., 5. und 10. Juli angesetzt.

Von Ines Bräutigam

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