Mögliche Nachfolge für Kaltblüter-Duo im Uelzener Stadtforst diskutiert

Zwei Pferde vor der Rente

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Zwei bärenstarke Pferde: Edold und Moritz sind im Stadtforst hochgeschätzte Mitarbeiter des Forstbetriebes, doch in etwa fünf Jahren gehen die beiden Kaltblüter in Rente. Ob es Nachfolger für sie gibt, soll noch geklärt werden.

Uelzen. Sie sind zwei echte Pfundskerle: Moritz und Edold.

Ihres Zeichens Rückepferde im Uelzener Stadtwald und derzeit unersetzliche Arbeitskräfte, wenn es darum geht, zentnerschwere Baumstämme aus unwegsamem Gelände an die Rückegassen zu zerren, damit Maschinen sie weitertransportieren und verarbeiten können. Doch Moritz und Edold stehen nach mehr als 15 Jahren harter Arbeit kurz vor der Rente. Und was dann? Diese Frage diskutierten die Mitglieder des Betriebsausschusses Stadtforst in ihrer jüngsten Sitzung kurz an.

An die 18 Jahre haben Edold, das Sachsen-Anhaltiner Kaltblut, und Moritz, der Thüringer Kaltblüter, inzwischen auf dem breiten Buckel. Stadtförster Thomas Göllner geht davon aus, dass die beiden Wallache vielleicht noch fünf Jahre im Einsatz sein können. Danach sei es Zeit für den Ruhestand für die beiden, zum Beispiel auf einem Gnadenhof oder als Beistellpferde in einem gemütlichen Privatstall. Und ginge es nach Thomas Göllner, würden Edold und Moritz auch Nachfolger haben, „denn wir von der Forstverwaltung sind der Meinung, dass Rückepferde heute noch – oder gerade heute – in Zeiten der Nachhaltigkeit hoch aktuelle Arbeitsmittel sind“.

Es gebe keinen schonenderen und minimaleren Eingriff beim Rücken des geernteten Holzes, appellierte der Stadtförster auch an die Ausschussmitglieder. Schließlich ist es letztendlich eine politische Entscheidung, ob man sich auch nach Edold und Moritz noch Rückepferde leisten kann und möchte. Jährlich kosten die beiden starken Rösser 15 000 bis 20 000 Euro; die Kosten tragen Forstbetrieb und Stadt. Ab und zu wird das Duo außerdem auch mal in andere Wälder „ausgeliehen“.

Eine Alternative zu den Pferden wäre ein kompletter maschineller Einsatz, sagt Thomas Göllner. Der wäre unterm Strich zwar kostengünstiger, hätte aber auch zur Folge, dass der Stadtforst von weitaus mehr Schneisen – im Fachjargon: Rückegassen – durchbrochen wäre als jetzt. „In konventionell bewirtschafteten Wäldern gibt es doppelt so viele Rückewege wie bei uns“, weiß Göllner. Und neben dem weniger massiven Eingriff in die Natur nennt der Stadtförster auch die hohe Akzeptanz durch die Bevölkerung als Pluspunkt für die Pferde.

Angeschafft wurden Edold und Moritz einst mit Mitteln der Bingo Lotto-Stiftung, die das Projekt Rückepferde für förderungswürdig hielt. Ob es für mögliche Nachfolger eine ähnliche Finanzspritze geben könnte, sollte einfach einmal geprüft werden, waren sich die Mitglieder des Betriebsausschusses einig.

Eine weitere Hoffnung legen sie in die neue rot-grüne Landesregierung. Denn in vielen Bundesländern, wie zum Beispiel Hessen oder Nordrhein-Westfalen, fördere die Europäische Union den Einsatz von Rückepferden. In Niedersachsen allerdings nicht. „Das jeweilige Land ist sozusagen zuständig für die Verteilung der Mittel aus Brüssel“, weiß Thomas Göllner. Und wer weiß, dachten sich auch die Ausschussmitglieder, ob mit einer neuen Landesregierung nicht vielleicht auch eine neue Verteilung der Fördermittel zugunsten der Rückepferde möglich ist ...

Von Ines Bräutigam

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