„Zusammen fantastisch“

Gemeinsam wurde gelacht und gefeiert.

Uelzen. Ein 30. Geburtstag hat immer auch ein bisschen etwas zu tun mit Ankommen im Leben. Die wilden, bewegten Jahre der Jugend sind vorbei, ein bisschen mehr Ernsthaftigkeit zieht ein, aber auch eine neue Gelassenheit – und meistens das Gefühl: schon unheimlich viel erlebt, aber noch mehr vor zu haben. Warum sollte es Vereinen da anders gehen als Menschen?

Und so hatte die wirklich bunte Feier zum 30-jährigen Bestehen des Vereins Stadorf e.V. am Sonnabend genau davon einiges zu bieten: Ein bisschen Rückblick, ein bisschen Vorausschau und lebendige Standortanalysen.

Am Wunschbaum konnten kleine und größere Wünsche angehängt werden. Fotos: Fuge

Stadorfs Geschäftsführer Edmund Bode, gleichzeitig auch Gründungsmitglied, erinnerte an die Anfänge des Vereins, der sich gründete, um die Schließung des Kinderheims Stadorf zu verhindern. Als das erreicht war, habe man „Schritt für Schritt ein Konzept aufgebaut“ – vom Kinderheim zu Nachfolgeeinrichtungen, allesamt für Menschen mit geistigen Behinderungen und immer konzipiert als lebenswertes „Pendant zu Großeinrichtungen“. Der Weg war steinig, „immer wieder eine Zitterpartie“ sei es gewesen, erinnert Bode an die Anfangsphase, als man sich versuchte zwischen bestehenden Einrichtungen zu etablieren und viel Ungewohntes wagte – Reisen beispielsweise, einmal sogar nach Südfrankreich und immer wieder nach Dänemark.

Aber alles klappte: Stadorf e.V. mit seinen heute zu Hoch-Zeiten etwa 70 Betreuungskräften und den Standorten Krempelhof, Wohnheim Alewinstraße und dem Untypischen Gasthaus wurde zur Erfolgsgeschichte. In deren Mittelpunkt Menschen standen, deren Talente und Fähigkeiten gefördert werden sollten. Einen persönlichen Einblick, was diese Geschichte besonders macht, gab Erik Høst-Madsen, Leiter des Autismuszentrums Süd in Apenrade. Seit 1987 kennt er den Verein, immer wieder gab es gegenseitige Besuche – und einen Dialog mit unschlagbarem Prinzip: „Ich bin gut, du bist gut, zusammen sind wir fantastisch.“ Für Betreuer wie Bewohner hatte Høst-Madsen gleichsam Lob parat: „Immer wenn die Betreuer glauben, jetzt ist alles zurechtgelegt – dann habt ihr neue Tricks auf Lager“, augenzwinkerte er.

Dass Bewohner wie Betreuer einen liebevollen Umgang pflegten, zeigten auch die vielen kleinen Gesten bei dieser Feier. Hände wurden gefasst, Trinkbecher gereicht, ein Teddy in Obhut genommen. Menschen mit und ohne Behinderung kamen zusammen, harmonisch und sonnig gestimmt war das gemeinsame Spaßhaben beim Programm zwischen Tombola, „Drums and Flutes“, den Dreilinger Sportjongleuren, den Fahrten zu den einzelnen Stadorf-Standorten oder dem Jubel für die Ehrung vieler langjähriger Mitarbeiter.

Gekommen waren auch Maren und Ingo Dreesen, die eigens aus dem etwa 90 Kilometer entfernten Havekost angereist waren. Vor dem Wunschbaum, auf dem Bewohner wie Betreuer kleine oder größere Wünsche vermerkten, machten die beiden halt. „Unsere Kinder verbringen schon seit sechs Jahren im Sommer einige Wochen Ferienfreizeit im Untypischen Gasthaus“, so Ingo Dressen. „Die Mannschaft hier ist einfach gut – da kommen wir gern und gratulieren zum Geburtstag.“

Von Janina Fuge

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