„Zur vollsten Zufriedenheit“

Großes öffentliches Interesse: Nach der Verhandlung standen die geschassten Geschäftsführer auf dem Gerichtsflur Journalisten Rede und Antwort.

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Das müssen wir jetzt erst einmal sacken lassen.“ Sichtlich aufgewühlt stehen Henning Weize und Carsten Hein gestern Vormittag im Flur des Landgerichtes Lüneburg. Gerade ist in Saal 142 der Gütetermin mit dem früheren Arbeitgeber, der Osthannoverschen Eisenbahn (OHE), geplatzt. Im April waren Hein und Weize überraschend als Geschäftsführer der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom gefeuert worden. Dagegen klagen sie. Und der Vorsitzende Richter Klaus-Rainer Strunk ahnt, dass die unterlegene Partei wohl durch alle Instanzen bis zum Bundesgerichtshof gehen wird.

„Metronom war Leidenschaft, eine Lebensaufgabe, die wir mit Haut und Haar wahrgenommen haben“, sagt Carsten Hein nach der Verhandlung. „Wir haben alles für das Wohl des Unternehmens und der Mitarbeiter getan.“

Etwa als sich Metronom-Angestellte an den Betriebsrat wandten mit der Vermutung, dass auf ihre Rechner unbefugt zugegriffen werde. Die Geschäftsführer ließen die Vorgänge überprüfen und stellten fest, dass durch eine fest installierte Software die OHE jederzeit auf die Uelzener Rechner zugreifen und auch Daten manipulieren könnte. „Das sind strafbewehrte Tatbestände, da muss ein Geschäftsführer reagieren, sonst macht er sich selbst strafbar“, argumentiert Peter Schrader, der Anwalt von Weize und Hein. Die beiden hätten OHE-Techniker angefordert zur Aufklärung des Sachverhaltes, doch die seien verweigert worden. Die Geschäftsführer kündigen daraufhin den EDV-Vertrag mit dem Gesellschafter, wenig später werden sie abberufen.

Vor Gericht versucht derneue Metronom-Geschäftsführer Wolfgang Birlin die Vorgänge um die Computer herunterzuspielen: Es habe sich um eine Lappalie gehandelt, das habe der Betriebsratsvorsitzende bestätigt. Doch letzterer zeigt sich am Rande der Verhandlung empört über diese Aussage: „Das habe ich niemals gesagt“, betont Betriebsratsvorsitzender Andreas Panczyk gegenüber der AZ, ganz im Gegenteil: „Die Sache wurde ja vom Betriebsrat zum Laufen gebracht.“

Es ist gestern das erste Mal seit jenem Aprilmorgen, dass sich Birlin und seine beiden Vorgänger gegenübersitzen. Damals hatten Henning Weize und Carsten Hein auf der Stelle ihre Schreibtische räumen müssen und wurden zu ihren Fahrzeugen geleitet. Seitdem reißt die Liste der leitenden Mitarbeiter, die keine Perspektive in dem Uelzener Unternehmen mehr sehen, nicht ab. Die jüngste Kündigung kommt von Pressesprecherin Tatjana Festerling, die unter anderem das Alkoholverbot in den Zügen umsetzte, das bundesweit Schlagzeilen machte.

Auch für Weize und Hein ist der Metronom-Zug endgültig abgefahren. „Die OHE wird sie wohl kaum mehr mit offenenArmen empfangen“, sagt Richter Klaus-Rainer Strunk. Er hätte sich gewünscht, dass sich Gesellschafter und Geschäftsführer statt der fristlosen Kündigung zusammengesetzt und die grundsätzliche Problematik besprochen hätten. „Danach hätte ja nicht eitel Frieden herrschen müssen, sondern man hätte einvernehmlich eine Trennung beschlossen, eine Abfindung gezahlt und das war’s dann.“

Diesen Vergleichsvorschlag machte das Gericht den Parteien schließlich. Ein Zeugnis, das eine Tätigkeit „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ bescheinigt und 250 000 Euro Abfindung für jeden. „Das müssen wir intensiv beraten“, sagten Hein und Weize. Die Gegenseite hatte schon vorsorglich verkündet, dass sie in einem Gütetermin keinen Sinn sehe.

Sollte sie scheitern, wird das Gericht am 23. September ein Urteil sprechen – sicher nicht das letzte in dieser Sache.

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