Vogel kann draußen nicht überleben

Nach Einbruch im Uelzener Wildgatter verschwunden – Uhu „Uhli“ jetzt „zum Verhungern verurteilt“

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„Uhuline“ bewohnt nun alleine die Voliere im Uelzener Wildgatter, seit ihr Partner „Uhli“ in der Nacht zu Montag vermutlich nach draußen gescheucht wurde. Seitdem ist der etwa 60 Zentimeter große „Uhli“, der aussieht wie seine Uhu-Dame, verschwunden.

Uelzen. Ein älterer Herr steht gestern mit seinem Fahrrad am Uhu-Gehege im Uelzener Wildgatter. Lange starrt er durch das Gitter und murmelt: „Hirnlose Menschen sind das, die so etwas tun.“

Thomas Göllner

Drama um den beliebten Uhu „Uhli“: In der Nacht auf Montag rücken unbekannte Täter mit einer Eisenstange an. Sie verschaffen sich gewaltsam Zutritt zur Voliere des Uhupaares „Uhuline“ und „Uhli“, indem sie die massiven Eisenriegel an der Tür aufbrechen. Was dann genau passiert, ist unklar. Doch am nächsten Morgen findet eine Praktikantin die Tür angelehnt vor – und stellt schockiert fest: „Uhli“ ist weg. Stadtförster Thomas Göllner glaubt nicht, dass der Uhu freiwillig seine Voliere verlassen hat: „Wahrscheinlich hat man ihn raus gescheucht.“ Göllner, der direkt nebenan wohnt, hat „Uhli“ in besagter Nacht sogar noch rufen gehört. Warum „Uhuline“ nichts passiert ist, darüber könne nur spekuliert werden: „Vielleicht haben die Täter sie in der Dunkelheit nicht gesehen.“

Zuerst dachte der Stadtförster, der Vogel sei entführt worden. „Doch dann sahen wir ihn tagsüber hier in den Bäumen sitzen.“ Göllner deutet auf den Bereich der Fasanvoliere und des Ziegengeheges. „Er saß im Baum und wurde von Krähen und Eichelhähern belästigt.“ Mehrere Vögel hätten gleichzeitig auf „Uhli“ eingehackt. „Er war hilflos und wusste nicht, was er tun sollte, weil er außer „Uhuline“ keine anderen Vögel kennt“, berichtet Göllner traurig. Einfangen konnten er und seine Mitarbeiter „Uhli“ nicht. Als es dunkel wurde, verschwand er. Auch gestern haben die Mitarbeiter im Wildgatter nach dem etwa zehn Jahre alten Uhu gesucht, doch er hat sich nicht mehr blicken lassen.

Göllner hat inzwischen nicht nur Anzeige wegen Sachbeschädigung und Diebstahls erstattet, sondern auch wegen Tierquälerei. „Der Uhu ist zum Verhungern verurteilt“, erklärt er. Weil „Uhli“ in Gefangenschaft geboren wurde und sein Leben ausschließlich in Volieren verbracht hat, wisse er gar nicht, wie man in Freiheit Beute fängt. Etwa eine Woche könne der Vogel so überleben, vermutet der Stadtförster. „Danach habe ich nur noch wenig Hoffnung.“

Und noch eine andere Sorge treibt Göllner um: „In der Voliere schlafen die Uhus gerne auf dem Boden, weil sie sich sicher fühlen.“ Wenn „Uhli“ das auch in Freiheit, etwa in einem Wald, macht, könnte er leichte Beute für Füchse sein.

Darum ruft der Stadtförster die Uelzener auf, Augen und Ohren offen zu halten: „Er könnte sich mittlerweile auch in der Stadt oder einem Wohngebiet aufhalten.“ Vielleicht hält sich „Uhli“ in einem Baum versteckt. Wer „Uhli“ sieht, kann sich beim Stadtforst Uelzen oder im Wildgatter melden. Und an die Täter gerichtet sagt Göllner: „Die wissen nicht, was sie getan haben. Er kommt in Freiheit nicht zurecht. Wenn er nicht gefunden wird, stirbt er.“

Von Sandra Hackenberg

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