Wissenschaftler diskutierten über Hochleistung in Milchviehbetrieben

Die Kuh der Zukunft

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Professor Ernst Kalm der Christian-Albrechts-Universität Kiel informierte in der Uelzener Stadthalle über moderne Züchtungsstrategien für Milchviehbetriebe.

dib Uelzen. Die Tierproduktion hat in der Landwirtschaft einen Anteil von mehr als 60 Prozent – und damit hat sie für die Branche wirtschaftlich am meisten Bedeutung.

Über die steigenden Herausforderungen haben in der Stadthalle rund 120 Tierzucht-Wissenschaftler und Rinderzucht-Praktiker miteinander diskutiert. Der Workshop wurde von den Uelzener Versicherungen und der Deutschen Gesellschaft für Züchtungskunde e. V. veranstaltet.

Die Teilnehmer aus Wissenschaft, Ministerien, Zucht- und Besamungsorganisationen beschäftigten sich mit Themen, die die Milchviehhaltung betreffen wie Ökonomie und Wertschöpfung, Züchtungsfragen (neue Merkmale), Phänotypen für Gesundheit, DNA-basierte Züchtung sowie Nachhaltigkeit. 23 Wissenschaftler von allen agrarwissenschaftlichen Universitäten Deutschlands, aus Schottland und den Niederlanden stellten den aktuellsten Stand der Wissenschaft vor und informierten darüber, wie die Herausforderungen in der deutschen Milchrinderzucht durch die sich ändernden wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen erfolgreich bewältigt werden können.

Da die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit ein Bevölkerungswachstum auf nahezu neun Milliarden Menschen voraussagt, muss nach Angaben der Uelzener Versicherung bei gleichbleibender oder sinkender landwirtschaftlicher Nutzfläche die Produktionsmenge massiv erhöht werden. Auch die Ressourceneffizienz müsse verbessert werden. Eine technische Revolution steht in der Tierzüchtung durch die Nutzung der genomischen Selektion und die Verfügbarkeit von Hochdurchsatz-Typisierungstechnologien bevor, erläuterte Referent Professor Dr. Dr. Ernst Kalm der Christian-Albrechts-Universität Kiel. Diese neuen Züchtungstechniken würden in der Milchrinderzucht in der Praxis angewendet werden, in der Geflügel- und Schweinezucht begännen sie ebenfalls, sich zu etablieren. Züchtung sei die effizienteste und nachhaltigste Strategie der Leistungs- und Effizienzsteigerung und eine zentrale Herausforderung zur Lösung der globalen Ernährungssituation, so Kalm. Fortschritte in der Züchtung würden zu rund 50 Prozent zur Leistungsentwicklung beitragen.

Auch die Bedingungen des Klimawandels müssten bei der Produktion bedacht werden. Beim Workshop wurden Strategien einer effektiveren Futterkonvertierung und zur Reduzierung der Methanbildung vorgestellt. Das Ziel sei, eine sogenannte balancierte Selektion zu erreichen, nämlich eine stabile, gesunde Hochleistungskuh. Das erfordere zusätzlich ein systematisches Gesundheitsmonitoring mit vielen Beteiligten, einschließlich der praktischen Veterinärmedizin.

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