BBK-Vorsitzende Petra Vollmer übt Kritik an gestarteter Ausschreibung für Kunstwerk in der Innenstadt

Uelzen: Zu viele Vorgaben für die Frauenstatue?

An prominenter Stelle soll die Frauenstatue errichtet werden: Neben dem Alten Rathaus am Eingang zur Fußgängerzone.
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An prominenter Stelle soll die Frauenstatue errichtet werden: Neben dem Alten Rathaus am Eingang zur Fußgängerzone.
  • Norman Reuter
    vonNorman Reuter
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Mit Künstlerkollegen organisiert sie für gewöhnlich Ausstellungen. Nun befasst sich Petra Vollmer, Vorsitzende des Bundes Bildender Künste, mit der geplanten Frauenstatue am Alten Rathaus und sie übt Kritik.

Uelzen – Der Tenor: Es würden zu viele Vorgaben für das Kunstwerk gemacht.

Vollmer begrüßt zunächst die Idee eines Kunstwerks an zentralem Ort. „Auch der Platz ist gut gewählt“, so die Vorsitzende. Sie lobt auch den Ansatz, dass mit einem Kunstwerk dem Beitrag von Frauen am öffentlichen Leben ein Denkmal gesetzt werden soll. „Denn selbstverständlich“, sagt Vollmer, „hat die weibliche Hälfte der Menschheit immer schon die Hälfte der Arbeit zum Fortgang der Dinge beigetragen, von der anderen, männlichen Hälfte scheinbar ebenso selbstverständlich ignoriert.“ Auch sei Kunst ein gutes Medium, diese Tatsache zu reflektieren. „Aber dafür braucht sie Freiheit.“ Und hier liegt nach Ansicht Vollmers das Problem.

„Es ist ein absurdes Vorhaben, dem Bewusstsein, das Frauen in Geschichte und Gesellschaft unsichtbar macht und sie in der Kunst ausschließlich als Objekte sichtbar werden ließ, mit der Stiftung einer historisierenden Frauenskulptur begegnen zu wollen“, meint die Kunstschaffende.

Schon die Vorgabe „Frauenskulptur“ schließe viele denkbare Lösungen aus. Vollends unmöglich werde das Vorhaben durch die Ausschreibung, die mit zahlreichen thematischen, sogar funktionalen Vorgaben Bewerber und Bewerberinnen soweit einenge, dass eine freie Umsetzung misslingen muss, meint Vollmer.

Die einzige Freiheit, die die Ausschreibung lasse, sei die Wahl des Mediums und der Mittel. Das sei gegenüber ersten Vorstellungen einer lebensgroßen Bronze ein Gewinn nur für die Stadt, nicht für die Künstler und Künstlerinnen, denn es macht das Ganze billiger.

Nach Auffassung Vollmers wäre es sinnvoll, diese Ausschreibung zurück zuzuziehen und zu überdenken, damit „das fortschrittliche Anliegen nicht durch eine rückwärtsgewandte Umsetzung durchkreuzt wird“.

Die Idee einer Frauenskulptur geht auf einen Antrag der SPD im Uelzener Rat zurück. Zuletzt war die Ausschreibung veröffentlicht worden, in der es unter anderem hieß: „Die künstlerische Arbeit soll eine Frau der Hansezeit darstellen, die mit Flachs und Leinen handelt.“ Nach Angaben der Stadt habe es bislang zehn telefonische und zwei schriftliche Anfragen zur Ausschreibung gegeben. Neben regionalen Interessenten habe es auch Anfragen aus Berlin, Hannover, Bochum und dem Raum Baden-Württemberg gegeben. „Sehr positiv wurde aufgenommen, dass die Ausschreibung sehr offen gehalten ist“, so Stadtsprecherin Ute Krüger.

Der BBK Uelzen, dem Vollmer vorsitzt, ist ein Berufsverband. Er vertritt die Interessen von Künstlern.

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