„Zorbas“ sorgt sich um die Heimat

Für 100 000 bis 150 000 Euro haben viele Taxifahrer in Griechenland eine Lizenz gekauft, berichtet Apostolos Peponi aus dem Restaurant Zorbas in Uelzen. Ihre Streiks gegen eine Öffnung des Marktes für Konkurrenten bekommen die Touristen zu spüren. Foto: dpa

Uelzen. Jeden Morgen um sechs Uhr schaltet der Vater von Apostolos Peponis das Radio oder den Fernseher an. Die Nachrichten über die Finanzkrise in Griechenland verfolgt die Familie aus dem griechischen Restaurant „Zorbas“ in Uelzen regelmäßig. Bekannte und Verwandte in ihrem Heimatland sind von den Folgen der Krise betroffen. Wenn ein Gast vom milliardenschweren Hilfspaket für Griechenland spricht, steigt Peponis in das Thema ein.

Dass ein neues Hilfspaket von Eurostaaten und Internationalem Währungsfonds (IWF) für Griechenland im Umfang von 109 Milliarden Euro beschlossen wurde, halten die Familie aus dem „Zorbas“ für richtig. „Es ist positiv, dass die Entscheidung getroffen wurde, Griechenland das Geld zu geben“, erklärt Peponis. Wie die Mittel verwendet werden, ist vertraglich geregelt – deshalb könne es von der Regierung nur sinnvoll verwendet werden, „das ist der Vorteil“. Bis die Kredite zurückgezahlt werden müssen, gehe es mit der Wirtschaft wieder bergauf, sagt Peponis optimistisch, dessen Familie seit dreieinhalb Jahren in Uelzen lebt.

„In Griechenland hat sich schon einiges geändert“, weiß die Familie von Peponis. Im vergangenen Jahr wurde die Mehrwertsteuer in Griechenland auf 21 Prozent erhöht und die Gehälter der Beamten wurden gekürzt. Im Gesundheitswesen und öffentlichen Dienst wurden zehn bis 15 Millionen Euro innerhalb von sechs Monaten gespart, berichtet Peponis. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Menschen die Einsparungen im Alltag spüren, auch die Verwandten von Peponis. So habe seine Großmutter eine Rente von 600 Euro bezogen. Vor kurzem wurde diese auf 535 Euro gekürzt. Kann man davon in Griechenland leben? „Nein, das geht eigentlich nicht.“ Und wer für 40 bis 45 Euro täglich gekellnert habe, gehe mittlerweile nur noch mit 25 bis 30 Euro abends nach Hause, berichtet Peponis.

20 Milliarden Euro seien an Steuern hinterzogen worden. „Wie soll man das Geld von den Menschen zurückfordern? Es kann nichts mehr nachgewiesen werden“, meint er. Viele hätten ihr Geld beiseite gelegt und sparen, weil sie Angst davor haben, dass es auf ihrem Konto noch mehr bergab geht.

Seit mehr als zwei Wochen streiken in Griechenland die Taxi-Fahrer. Früher mussten sie ebenso wie Lastwagenfahrer eine Lizenz kaufen, bevor sie sich hinter das Lenkrad setzen durften – häufig für 100 000 bis 150 000 Euro auf dem Schwarzmarkt. Nur eine bestimmte Anzahl dieser Konzessionen wurden vergeben, nach Medienberichten an insgesamt 30 000 Taxifahrer im Land. Viele von ihnen haben ihre Kredite, die sie für die Lizenz aufgenommen haben, noch nicht abbezahlt. Von nun soll jeder kostenlos die Arbeit ausüben dürfen, und es soll einen Wettbewerb in dem Sektor geben. Der Tourismus leidet unter den Streiks, befürchtet Peponis. Man müsse ohnehin den Tourismus wieder ankurbeln. Die Zahl der Feriengäste in Griechenland sei auf ein Drittel gesunken. „Dabei sind die Griechen so freundlich und herzlich“, versichert der Zorbas-Mitarbeiter stolz.

Wie leben seine Verwandten daheim? „Einige wohnen auf dem Land, haben Tiere und Felder, ihr Haus haben sie geerbt, also haben sie nicht so hohe Ausgaben“, berichtet Peponis. Wer einen Kredit fürs Haus abzahlen müsse, unter den gekürzten Gehältern und könne die Raten nicht mehr zahlen. „Wer in der Stadt lebt, hat mehr Probleme. Die Leute unternehmen fast nichts mehr.“ Zum Namenstag gebe es normalerweise Geschenke. Vor zwei Wochen habe Apostolos Peponis’ Mutter Namenstag gehabt. „Da kam niemand zu Besuch. Denn wer feiert, möchte auch ein Geschenk mitbringen.“ Aber das Geld sparen die Griechen lieber.

Aber die Krise treffe nicht Griechenland allein, auch Italien, Spanien und die USA haben Probleme, erinnert er. Und dann könnte die Krise auch doch näher kommen: „Wenn die USA pleite geht – was passiert dann mit Deutschland“, fragt sich Peponis.

Von Diane Baatani

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