Türsteher verfasst schriftliche Aussage für Vater von Robert K. / Zeugen stören Verhandlung

Zerstochene Reifen und Gegröle

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Symbolfoto

Uelzen/Lüneburg. Da er nicht eine Minute weggeschaut hat, kann er mit Sicherheit ausschließen, dass der 42-Jährige im Verlauf des Tatgeschehens getreten wurde:

Das soll ein Uelzener Türsteher vor knapp zwei Jahren in der ersten Instanz des Verfahrens wegen versuchten Totschlags gegen das Mitglied der sogenannten Uelzener Douglas-Bande, Robert K. , im Landgericht Lüneburg ausgesagt haben. Die Schilderungen von drei anderen Personen haben die Angaben des Türstehers jedoch widerlegt, erklärt die Staatsanwaltschaft und hat Anklage wegen falscher uneidlicher Aussage erhoben. Gestern im Rahmen des neu aufgenommenen Verfahrens vor der 2. großen Jugendkammer, da der Bundesgerichtshof das Urteil in der ersten Instanz aufgehoben hatte, wollte der Türsteher seine Aussage umfassend verweigern. Ohne Erfolg.

Das Gericht erinnerte den Mann daran, dass im selben Monat der Tatnacht, am 25. Juli 2011, seine Autoreifen zerstochen wurden. Am 26. Juli sei er dann von Ramadan N., dem Bruder des anderen Beteiligten und in erster Instanz verurteilten Ismail N., sowie dem Vater des angeklagten Robert K. aufgesucht worden. „Ich habe eine schriftliche Aussage gefertigt, weil Roberts Vater das für seinen Anwalt brauchte“, sagte er. Einen Zusammenhang zwischen dem Zerstechen der Reifen und der Forderung, schriftlich festzuhalten, dass er die Tatvorwürfe nicht bestätigen könne, habe er nicht gesehen, betonte er.

Im Laufe des Verfahrens hatte auch ein anderer Beobachter dem Gericht mitgeteilt, er habe ebenfalls vor zwei Jahren für Ramadan N. aufgeschrieben, dass er eine Beteiligung von Robert K. an der Auseinandersetzung nicht bestätigen könne.

Gestern sagte der Türsteher, dass er in der Nacht zum 2. Juli 2011 beobachtet habe, wie nach einer Auseinandersetzung auf der Gudestorbrücke das 42-jährige Opfer zusammenbrach und stark blutete. Daraufhin habe er versucht, Robert K. davon abzuhalten, auf den am Boden liegenden, lebensgefährlich verletzten Mann loszugehen, schilderte der Zeuge. Als er in eine nahe Kneipe gelaufen sei, um den Rettungsdienst zu rufen, habe er nicht mehr verfolgt, ob der Angeklagte anschließend das Opfer mit Tritten am Kopf malträtiert hat. Somit, hielt ihm die Kammer vor, könne er doch nicht ausschließen, dass Robert K. das Opfer getreten habe.

Weitere Zeugen verstrickten sich gestern in Widersprüche und gaben an, die Taten, die Robert K. vorgeworfen werden, nicht beobachtet zu haben oder sich nicht erinnern zu können. Währenddessen störten wartende Zeugen auf dem Flur die Verhandlung. Immer wieder grölten und lärmten sie, bis die Sitzung unterbrochen wurde und Justizbeamte per Funk Verstärkung anforderten.

Der Angeklagte bleibt weiterhin in Untersuchungshaft. Das Oberlandesgericht Celle hat eine Beschwerde von Robert K. gegen den Haftbefehl verworfen, da er vor zwei Wochen ohne Angabe von Gründen zur Hauptverhandlung nicht erschienen war. Nach Angaben des Landgerichts soll so sichergestellt sein, dass dies nicht wieder vorkommt. Müsste das Verfahren für mindestens drei Wochen unterbrochen werden, wäre die Kammer verpflichtet, neu zu beginnen.

Von Diane Baatani

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