Von Woche zu Woche

Zeitung in Zeiten des Terrors

Es sind Tage der Verunsicherung, der Angst und sie werfen viele Fragen auf – wieder einmal. Nach den Anschlägen von Paris im November war das so und in dieser Woche wiederholt sich das nach Brüssel.

Terrorakte wie diese nehmen auch viele Leser zum Anlass, sich mit ihren Befürchtungen und Gefühlen an die Tageszeitung zu wenden. Sie schreiben, auf welche Fragen sie Antworten suchen, manche möchten auch einfach nur ihre Worte loswerden. Und es gibt auch immer Mails und Briefe, in denen die Rolle ihrer Lokalzeitung in diesen Tagen hinterfragt wird.

Die AZ hat nach den Anschlägen von Paris nicht mit ganzseitigen „Je suis Paris“-Anzeigen Betroffenheit ausgedrückt, sie hat sich auch nach den Anschlägen von Brüssel in dieser Woche auf ihre journalistischen Aufgaben beschränkt. Das hat bei Lesern Fragen aufgeworfen, manche haben das kritisiert.

Thomas Mitzlaff

Doch wir haben in dieser Situation ganz bewusst so gehandelt. Denn gerade in solch schwierigen Zeiten haben Medien, hat die Presse eine ganz besondere Verantwortung. Sie muss die Geschehnisse dokumentieren, analysieren und Zusammenhänge aufzeigen. Aber all das stets aus einer Distanz, die nötig ist, damit bei allem Informationschaos und aller Verunsicherung der Überblick nicht verloren geht. Das hat nichts mit Überheblichkeit und Arroganz zu tun. Natürlich sind auch wir in der Redaktion schockiert über das, was sich derzeit abspielt im Herzen Europas. Natürlich diskutieren auch wir, ob man mittlerweile mit einem mulmigen Gefühl zu einer Großveranstaltung geht und ob es für unsere Kinder künftig normal sein wird, mit einer latenten terroristischen Bedrohung leben zu müssen.

Doch mehr denn je ist jetzt professionelles Arbeiten gefragt. In dem Wust von Informationen und politischem Aktionismus und auch Panikmache gilt es, seriöse Informationen von Stimmungsmache zu trennen, die Dinge einzuordnen. Das ist die elementare Aufgabe von Medien, deshalb werden sie auch als vierte Macht im Staate bezeichnet.

Presse darf nicht Teil der Aktionen und Reaktionen sein, sie muss vielmehr in diesen unübersichtlichen Zeiten die Vorgänge sortieren. Das ist eine große Verantwortung und es muss mit einem klaren Kopf aus einer neutralen Position und deshalb eben auch aus der Distanz geschehen. Darauf hat der Leser einen Anspruch.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © AFP

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