Mensch 2013: Durch Ingeborg Hennings-von der Ohe „lesen“ Blinde die AZ

Wo Zeitung hörbar wird

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Sie kann die Schrift auf dem Monitor nicht sehen, aber ihr Computer „spricht“ mit ihr: Durch entsprechende Programme und Technik ist das Schreiben am Computer für Ingeborg Hennings-von der Ohe kein Problem.

Suhlendorf. Ihr freundliches Lächeln ist warmherzig, ihre Lebensfreude strahlt Vertrauen und Zuversicht aus. Ingeborg Hennings-von der Ohe ist seit einer Netzhauterkrankung erblindet und kann seitdem ihren Beruf als Erzieherin nicht mehr ausüben.

An ein Aufgeben hat sie nie gedacht, fand Hilfe und Unterstützung, die sie heute gern zurückgibt. So ist Ingeborg Hennings-von der Ohe eine der Nominierten für „Mensch 2013“ – eine Aktion der AZ und der Sparkasse Uelzen/Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen.

Vor zehn Jahren im Uelzener Blindenverband eingetreten, ist sie dort seit 2007 Vorsitzende. „Die Arbeit hier ist genau das, was ich brauche“, schildert sie ihr Leben mit den Menschen, die wie sie Gruppen übernehmen, Kegeln gehen, Kino anbieten und damit Unsicherheiten im Kontakt mit anderen verlieren. Die Suhlendorferin geht in die Schulen, spricht mit den jungen Leuten, erzählt und lässt erzählen vom Umgang und Erfahrungen mit behinderten Menschen. Dabei stößt sie immer wieder auf eine aufgeschlossene Jugend. „Das sind für mich Sternstunden.“

Mit viel Engagement und Unterstützung eines Teams von Mitmenschen brachte Ingeborg Hennings-von der Ohe eine Zeitung für Sehbehinderte und Blinde auf den „Markt“. Ein Kreis von 16 Auflesern sucht nach passenden Berichten, stellt sie zusammen und bearbeitet sie. „Das macht jeder inzwischen ganz allein. Ich selbst bin jetzt nur noch eine Art Mittler zwischen den Hörern und Auflesern und rufe drei Mal jährlich eine Redaktionskonferenz ein.“

Die Aufleser lesen wöchentlich aus verschiedenen Rubriken der AZ Artikel auf eine Audiosoftware an ihrem heimischen Computer auf. Die Dateien werden dann auf einen Server geladen und umgewandelt an die Hörmedien für Sehbehinderte und Blinde überbracht, die dann die gebrannten CDs als Hörzeitung an Interessierte versendet. „Die Hörzeitung erscheint einmal wöchentlich mit regionalen Nachrichten aus Kultur und Sozialem, mit Terminen, Verschiedenem und vor allen Dingen Familiennachrichten“, erzählt Ingeborg Hennings-von der Ohe. „Mit den Familiennachrichten erweitern wir unseren Kontaktbereich. Für die Rubrik Sport könnten wir noch Aufleser gebrauchen“, macht sie auch gleichzeitig noch Werbung in eigener Sache.

Neben ihrer Tätigkeit als Vorsitzende im Blinden- und Sehbehindertenverband Region Uelzen ist sie dort auch als Gleichstellungsbeauftragte der Region Nord-Ost-Niedersachsen tätig und befasst sich viel mit der Ausschreibung von Seminaren, die Hilfe zur Selbsthilfe vermitteln. Sie ist weiterhin im Beirat für Menschen mit Behinderung im Landkreis Uelzen und kämpft für mehr Barrierefreiheit im Verkehr, bei Behörden oder im Internet. „Wir wollen der Öffentlichkeit zeigen, dass wir nicht behindert sind, sondern behindert werden“, stellt sie klar und weist beispielsweise auf zugeparkte Gehwege hin, die ein echtes Hindernis darstellen.

Ihr ständiger Begleiter ist der schwarze Labradormischling „Borka“ und er ist genauso gut gelaunt wie sein Frauchen. Der ausgebildete Blindenhund hat sie noch nie im Stich gelassen. „Ohne diesen Hund bin ich nichts“, freut sich die Suhlendorferin und findet nicht nur ihn ihm, sondern auch in ihrer großen Familie viel Unterstützung. Die Enkel helfen da schon mal am Computer, mit dem sie erst seit ihrer Blindheit „richtig warm“ geworden ist und sich kurz darauf wieder an die Arbeit macht und Anträge ausfüllt.

Von Ulrich Bleuel

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