Zeitgemäß erinnern

Kranzniederlegungen und eine Ansprache von Propst Jörg Hagen gab es gestern am Mahnmal an der Ebstorfer Straße in Uelzen aus Anlass des Volkstrauertages.

Uelzen/Landkreis - Von Janina Fuge. Ein bisschen schüchtern, aber doch selbstbewusst marschieren Elisa Bode und Svenja Gernt, Schülerinnen des Herzog-Ernst-Gymnasiums, ans Mikrofon. Die Inschrift des Mahnmals im Wald an der Ebstorfer Straße in Uelzen prangt über ihren Köpfen, erinnert wird da an die toten Soldaten des Ersten und Zweiten Weltkrieges. Elisa und Svenja sind an diesem Sonntag gleichsam Protagonisten wie symbolische Mahnung beim traditionell vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgerichteten Volkstrauertag: Die junge Generation mahnt Frieden im eigenen Land und in der Welt an.

„Wir denken heute an die Opfer von Gewalt und Krieg, Kinder, Frauen und Männer aller Völker“, beginnen sie das seit einigen Jahren in diesem Wortlaut bei republikweit allen Volksbund-Volkstrauertags-Aktivitäten gleiche Totengedenken. Sie markieren so die breite Klammer, unter der das Gedenken heute steht. War der Volkstrauertag einst als reine Erinnerungsfeier für gefallene Soldaten gedacht, wurden zuletzt auch noch jene „Bundeswehrsoldaten und anderen Einsatzkräfte“ aufgenommen, die im Auslandseinsatz ihr Leben verloren. Opfer von Krieg, politischer Verfolgung, Vertreibung, Flucht, von Rassenhass, von Terrorismus und Diskriminierung werden in das Gedenken mit aufgenommen.

Propst Jörg Hagen nahm in seiner Ansprache diese Weitung des Blickfeldes auf. Er verwies auf die Aufgabe, „eine zeitgemäße Form des Gedenkens“ zu finden. Allerdings verliere die Erinnerung durch die immer kleinere Zahl von Zeitzeugen zunehmend „die Farbe der persönlichen Betroffenheit“.

Gleichsam erinnerte Hagen daran, dass der diesjährige Volkstrauertag zusammenfalle mit dem 70. Jahrestag der Bombardierung der englischen Stadt Coventry durch die deutsche Luftwaffe. Nur kurz nach der Bombardierung entstand jenes legendär gewordene Versöhnungsgebet „Vater, vergib“ – jene christliche Grund-Überzeugung, die der Provost der zerstörten Kathedrale von Coventry in die Mauerruinen hinter den Altar einschreiben ließ. „Vater, vergib den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse“, heißt es in diesem Gebet, das auch Hagen sprach. Damit sensibilisierte er dafür, dass die Friedenssuche „immer wieder neu gewagt werden müsse“ – und insofern auch die Akzeptanz persönlicher Verantwortung bedeute.

In dieser Absicht hatte sich am Sonntag eine breite Allianz des Erinnerns zusammengefunden. Es gab – untermalt vom zum klassischen Volkstrauertags-Repertoire zählenden „Ich hatt’ einen Kameraden“ vom Posaunenchor Böddenstedt unter Leitung von Heinrich Drögemüller – Kranzniederlegungen der Uelzener Ortsgruppe des Sozialverbandes Deutschland (SoVD). Kränze legten ebenfalls nieder die Bundespolizei, die Stadt Uelzen durch Bürgermeister Otto Lukat, der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, die Feuerwehr Uelzen sowie die Reservistenkameradschaft. Landrat Theoder Elster dankte den Anwesenden, „aller Toten zu gedenken und den Frieden zu gemahnen“.

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