Von Woche zu Woche

In Zeiten des Umbruchs

 Jahreswechsel. Eigentlich für jede Zeitung Anlass, zurückzuschauen aufs abgelaufene Jahr und nach vorne zu blicken, verbunden mit der Frage, was wohl kommen wird. Doch dieser Jahreswechsel ist anders als die vielen davor. Wer über 2015 nachdenkt, der muss erstmal durchatmen.

Thomas Mitzlaff

Das waren 365 Tage in einem atemberaubenden Tempo, mit gravierenden Ereignissen, die unsere Gesellschaft nachhaltig verändern werden – auch in der Provinz. Denn auch hier bekamen wir hautnah zu spüren, dass Europa die größte Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg erlebt. Wer hätte vor einem Jahr vorhergesagt, dass unsere Turnhallen zu Notquartieren umfunktioniert würden, das ganze Bus- und Zug-Ladungen voller Menschen aus Syrien, Afghanistan und anderen Bürgerkriegsländern bei uns stranden würden? Wer hätte vor einem Jahr gedacht, was für eine Welle der Hilfsbereitschaft bei uns in der Region mobilisiert werden kann, zu welchen Leistungen wir vor Ort fähig sind, ganz egal, wie sehr uns die Politik dabei im Stich lässt?

Es ist ein sehr bewegendes Jahr gewesen, voller Entwicklungen, auf die viele mit Unbehagen blicken, auf das wir aber vor allem auch mit Stolz schauen können – wir haben etwas vollbracht. Andere Themen, die unter anderen Umständen in den Fokus gerückt worden wären und die Emotionen hätten hochschlagen lassen, stehen dahinter zurück. Die Lachnummer des Jahres in Uelzen, die Entstehungsgeschichte des Marktcenters – geschenkt. Statt Media-Markt werden jetzt also Aldi und Rewe die Menschen aus der gesamten Region in Scharen in die Einkaufsstadt Uelzen locken; lassen wir den Protagonisten doch diese Selbsttäuschung.

Die Entwicklungen der jüngsten Zeit haben viele Ungewissheiten gebracht, aber sie lassen uns auch manche Dinge klarer sehen. Auf wen man sich verlassen kann in diesen Zeiten und wo nur viel Schaumschlägerei ist.

Der Blick geht jetzt nach vorne, auf ein 2016 voller Fragezeichen. Diesmal ist uns klar, dass es erneut ein Jahr der Umwälzungen werden kann. Wie wird sich die Bevölkerung im Kreis Uelzen in einem Jahr zusammensetzen? Wird es uns gelingen, viele tausend Menschen zu integrieren, werden wir den Wohnraum schaffen, die Plätze in den Schulen und Kitas? In welcher Form werden sie unseren Alltag bereichern, uns neue Möglichkeiten eröffnen? Werden wir die Chancen, die ein solcher Zuzug bedeutet, erkennen und nutzen können?

Oder, kurzfristig: Wird es für die Ehrenamtlichen endlich die Entlastung geben, die nötig ist, damit das System nicht zusammenbricht? Eines ist gewiss: Nach 365 Tagen wird an dieser Stelle eine Kolumne stehen, in der wir bilanzieren werden, dass vieles doch völlig anders gekommen ist. Hoffentlich zum Guten.

Von Thomas Mitzlaff

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