Holocaust-Gedenken: Starke Reden und ironische Lyrik

Ein Zeichen gegen Rechts

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Uelzens stellvertretende Bürgermeisterin Brigitte Kötke sprach am Mahnmal, am Akkordeon wurde sie von Susanne Niebuhr begleitet.

js Uelzen. Starkes Zeichen von Uelzenern am Holocaust-Gedenktag: Fast 100 Menschen kamen gestern zum Mahnmal am Rathaus und besuchten direkt anschließend auch den Gedichte- und Liederabend der Berliner Künstlerin Cathrin Alisch im Ratssaal.

Starke Worte von Uelzens stellvertretender Bürgermeisterin Brigitte Kötke und Dr. Christine Böttcher vom Geschichtskreis, der das Gedenken organisiert hatte.

„Wir wehren uns gegen die Scharfmacher von rechts und verneigen uns vor den Opfern“, sagte Brigitte Kötke in ihrer kurzen Ansprache am Mahnmal. Sie spielte damit auf die Aussage von Björn Höcke, Sprecher des AfD-Landesverbandes in Thüringen, an. Der hatte bei einer Veranstaltung in Dresden in Anspielung auf das Holocaust-Mahnmal in Berlin von einem „Denkmal der Schande“ gesprochen.

Die Erinnerungskultur sei angegriffen worden, sagte Christine Böttcher bei der Eröffnung des Gedichte- und Liederabends. „Dagegen verwahren wir uns.“ Man werde weiterhin an die deutschen Verbrechen erinnern und sich weiter für eine friedliche Welt einsetzen.

Der übrige Abend im Ratssaal gehörte der Dichterin Mascha Kaléko. Die Berliner Künstlerin Cathrin Alisch trug von ihr vertonte Kaléko-Gedichte vor oder rezitierte sie.

Heute in weiten Kreisen kaum noch bekannt, galt Mascha Kaléko (1907 - 1975) im Berlin der späten 20er Jahre als d i e Dichterin der Neuen Sachlichkeit. Ihre Großstadt-Lyrik kam kess, keck, ironisch und zuweilen frech daher. Sie wurde als das weibliche Pendant zu Erich Kästner oder Joachim Ringelnatz bezeichnet. Der stille Gedenktag bekam noch eine kleine heitere Note. Weil sie Jüdin war, bekam Kaléko 1935 von den Nazis Berufsverbot. Sie emigrierte zunächst in die USA, dann nach Israel.

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