Ein Zeichen gegen Jugendgewalt

Jugendhaftstrafen für alle vier Angeklagten – mit diesem Urteilsspruch endete gestern im Uelzener Amtsgericht der Prozess gegen vier junge Schläger. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „In diesem Jahr soll er beweisen, dass er sein Leben anders meistert, als durch Straftaten an Geld zu kommen“, hatte das Uelzener Jugendgericht erst am 17. Juni 2010 in seinem Schuldspruch dem 20-jährigen Angeklagten ins Urteil geschrieben.

Den jungen Straftäter beeindruckte das offenbar kaum: Vier Wochen später beraubt der 20-Jährige mit drei Kumpanen am Oldenstädter See drei junge Schüler, die Opfer werden brutal zusammengeschlagen und gleich zwei Mal überfallen. Gestern gab es vom Jugend-Schöffengericht die Quittung: Drei der 16- bis 20-jährigen Täter müssen zwei Jahre und drei Monate ins Gefängnis, der vierte Angeklagte erhielt zwei Jahre Jugendstrafe ohne Bewährung.

Die Richter blieben mit dem einheitlichen Strafmaß jeweils nur drei Monate unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft – und setzten damit mit der Anklagebehörde ein Zeichen, dass man der teils ausufernden Jugendgewalt auf Uelzens Straßen entschlossen begegnen will. In diesem Fall hatten Kriminalpolizei, Staatsanwaltschaft und Gericht eng zusammengearbeitet, alle vier Täter saßen über drei Monate in Untersuchungshaft, von den Anwälten beantragte Haftprüfungstermine blieben erfolglos.

„Er dachte, es geht immer so weiter mit den Bewährungsstrafen“, schilderte gestern vor Gericht ein psychiatrischer Sachverständiger, der den ältesten Täter in der U-Haft begutachtet hatte. Der junge Mann habe von den Wochen im Gefängnis beeindruckt gewirkt und erklärt, es wäre für ihn gut gewesen, wenn er schon früher mal eine Haftstrafe bekommen hätte.

Zahlreiche Taten beging der 20-Jährige wie auch seine Komplizen unter Alkoholeinfluss, an den Überfall vom Oldenstädter See konnte er sich aber noch gut erinnern. Die Täter hatten das jugendliche Schüler-Trio, das an jenem Ferientag im Juli am O-See zelten wollte, zunächst grundlos angegriffen und zusammengeschlagen. Nach dem Überfall packten die Opfer ihre Sachen und wollten das Gelände verlassen, als die Angreifer erneut über sie herfielen, um gezielt Geld und Handys zu erbeuten – aus der Körperverletzung wurde ein Raub. „Sie schlugen den Opfern mehrfach gezielt mit der Faust gegen die Schläfe und würgten sie“, schilderte eine Polizistin. In diesen Minuten ist es totenstill im Saal 1 des Amtsgerichts, in den die vier Täter unter den Augen zahlreicher junger Zuhörer von einem Dutzend Justizbeamten in Handschellen geführt worden waren.

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