Seit Freitagfrüh erneut Ausstand beim Metronom – Homepage „attackiert“?

Die zehnte Streikwelle

Fährt mein Zug? Wie lange der neue Streik dauert, gab die GDL gestern nicht bekannt. Foto: dpa

Uelzen. Bereits zum zehnten Mal hat die GDL Freitagfrüh die Lokführer der Uelzener Eisenbahngesellschaft Metronom zum Streik aufgerufen – und ein Ende des erneuten Ausstands ist ebenso ungewiss wie der Ausgang dieses Tarifstreites. Denn die Fronten zwischen Gewerkschaft und Privatbahn sind verhärteter denn je zuvor.

Leidtragende dieser Auseinandersetzung sind die Reisenden. Und für sie dürfte es nur ein schwacher Trost sein, dass gestern offenbar mehr Züge fuhren als bei den vorherigen Streiks. Er habe damit gerechnet, dass mancher Kollege seinen Dienst verrichte, obwohl er von den Forderungen der GDL überzeugt sei, erklärte der Gewerkschafts-Bezirksvorsitzende Lutz Schreiber gegenüber der AZ: „Wir führen seit vier Monaten einen Tarifkonflikt und es ist ganz klar, dass sich das nicht jeder Lokführer finanziell leisten kann“. Die GDL zahlt den Streikenden pro Tag mit 75 Euro nur einen Teil des regulären Lohns. Dazu überschütte der Metronom die Mitarbeiter mit Schreiben und Anrufen und diskutiere über zusätzliche Prämien, wenn die Lokführer dem Streikaufruf nicht folgten.

Doch jeder Zug, der nicht fahre, transportiere keine Reisenden, sondern an den Metronom die Botschaft, dass sie Verhandlungsbereitschaft zeigen müsse, so Schreiber. „Die GDL war beim Metronom am Tisch, aber dort kommen wir nicht weiter.“

Und das wird sich voraussichtlich auch so schnell nicht ändern. Denn die Uelzener Eisenbahn lehnt die Unterzeichnung des Bundesrahmen-Tarifvertrages weiterhin strikt ab: Das führe „zur Gleichschaltung der Personalkosten und damit zu einem Ende des Wettbewerbs im Nahverkehr“, heißt es in einer Pressemitteilung. Dies würde dazu führen, dass „Metronom keine Ausschreibungen mehr gewinnt und die Bahn in absehbarer Zeit wieder alle Strecken betreibt“. Denn den umstrittenen Betreiberwechsel-Tarifvertrag habe die GDL „Wort für Wort mit der Bahn verhandelt. Die Belange der Wettbewerber sind hier nicht berücksichtigt“.

Gestern Mittag brach dann die Homepage des Metronom zusammen, auf der Reisende sich anhand eines Streikfahrplans informieren können. Nach Angaben des Metronom sei die Homepage „von außen attackiert“ worden.

Derweil wachsen unter der Belegschaft des Metronom die Zukunftssorgen. Ein katastrophales Streikmanagement und Qualitätsverluste in den vergangenen Monaten könnten Indizien dafür sein, dass die Gesellschafter den Metronom zerschlagen wollen.

Von Thomas Mitzlaff

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