Nach missratenen Arbeiten in Holdenstedt

Zehn Eichen ruiniert: Zuvor gesunde Bäume müssen gefällt werden

Diese Baumreihe mit insgesamt zehn stattlichen Eichen muss in Holdenstedt „aus Gründen der Verkehrssicherheit“, so die Stadt, nach missratenen Arbeiten gefällt werden. Verfahren gegen Eigentümer und Fachfirma laufen.
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Diese Baumreihe mit insgesamt zehn stattlichen Eichen muss in Holdenstedt „aus Gründen der Verkehrssicherheit“, so die Stadt, nach missratenen Arbeiten gefällt werden. Verfahren gegen Eigentümer und Fachfirma laufen.
  • Lars Becker
    VonLars Becker
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In Holdenstedt müssen insgesamt zehn Eichen gefällt werden, die bis zu einem verhängnisvollen Arbeitseinsatz vor Wochen gesund waren. Auf die Eigentümer der Fläche und die Fachfirma kommen jetzt Forderungen zu

Uelzen-Holdenstedt – Am Dienstagabend in der Sitzung des Ortsrates Holdenstedt/Klein Süstedt ist Erwin Reitenbach als Ortsbürgermeister verabschiedet worden. Wenige Stunden zuvor beantwortete er ein letztes Mal „in Amt und Würden“ eine AZ-Anfrage – und zwar zu einem Vorkommnis im Sportweg:

Dort sind auf der privaten Parkplatzfläche hinter dem „Holdenstedter Hof“ zehn bis dato gesunde Eichen – mindestens 70 bis 80 Jahre alt – bei einem Arbeitseinsatz im Bereich des Wurzelwerkes so stark beschädigt worden, dass sie gefällt werden müssen.

Politik, Behörden und Experte mit Eigentümer vor Ort

„Wenn diese Bäume weg sind, wird sich das Holdenstedter Ortsbild in der Mitte verändern. Es ist sehr ärgerlich, was da passiert ist und wir bedauern das alle sehr, aber wir müssen damit leben“, sagt Reitenbach.

Gemeinsam mit einem Sachverständigen, Ortspolitikern, Stadtverwaltung, Unterer Naturschutzbehörde (Landkreis Uelzen) und René Haaker, der den Holdenstedter Hof zusammen mit Marco Bernotat führt, war Reitenbach letzte Woche vor Ort in der Sackgasse im südlichen Bereich des Sportweges, um sich darüber zu informieren, was dort im August mit den stattlichen Eichen passiert ist.

„Mit einem Radlader viel zu weit reingegangen“

Seitens der Hansestadt hatte es – das erklärt Haaker am Dienstag im Gespräch mit der AZ – eine Aufforderung gegeben, den Wildwuchs im dortigen Bereich zurückzuschneiden und für Ordnung zu sorgen. Der entsprechende Auftrag sei an eine Fachfirma ergangen.

„Die sollte das alles chic machen, Dreck abfahren und den Bereich fürs bessere Parken etwas befestigen, ist mit einem Radlader dann aber viel zu weit reingegangen. Als ich aus dem Urlaub zurückgekommen bin und das gesehen habe, standen mir selbst die Tränen in den Augen. Wir müssen und wollen aber alles tun, um das gutzumachen. Da müssen wir jetzt durch – es tut uns beiden unendlich leid. Dummheit schützt vor Strafe nicht“, so Haaker auch stellvertretend für Marco Bernotat.

Vorsatz-Behauptungen treffen ins Mark

Haaker betont vor allem, dass die teilweise im Dorf erhobenen Vorwürfe, man habe die Arbeiten vorsätzlich so ausführen lassen, wie sie sich jetzt darstellen, falsch seien und schmerzten. „Es war gut von uns gemeint und ist richtig böse ausgegangen. Durch Corona ist es ohnehin schon schwierig genug, jetzt werden wir auch noch eine Strafe kriegen. Das ist extrem unglücklich, vor allem aber ein immenser finanzieller Schaden für uns.“

Bei den Arbeiten wurde das Wurzelwerk der Eichen derart in Mitleidenschaft gezogen und teilweise sogar herausgerissen, dass der Sachverständige zu der Einschätzung kam, dass die Bäume nicht zu retten sind. In unmittelbarer Nähe befindet sich ein Spielplatz – niemand kann und will garantieren, dass von den Eichen keine Gefahr ausgeht.

Die Hansestadt bestätigte den Sachverhalt im Grundsatz und erklärte weiter: „Auf Veranlassung der Hansestadt mussten die Bäume von einem unabhängigen Baumsachverständigen geprüft werden. Nach dem fachlichen Ergebnis steht fest, dass die Standsicherheit von zehn Bäumen nicht mehr gegeben ist und eine Fällung aus Gründen der Verkehrssicherheit erfolgen muss.“

Konsequenzen für Eigentümer und Firma

Konsequenzen würden nun für die verantwortlichen Eigentümer und die Fachfirma, die die Arbeiten vorgenommen hat, folgen: „Neben einem bereits eingeleiteten ordnungsrechtlichen Verfahren wegen eines Verstoßes gegen die örtliche Baumschutzsatzung erwartet die Verantwortlichen auch ein Verfahren nach dem Naturschutzrecht, in dem voraussichtlich umfangreiche Ersatzpflanzungen angeordnet werden. Die Verfahren werden von Stadt und Landkreis Uelzen geführt“, so die Stadt.

Der Landkreis teilte mit, dass die geplante Beseitigung der Eichenreihe gemäß Bundesnaturschutzgesetz einen Eingriff darstelle. „Somit muss die naturschutzrechtliche Eingriffsregelung gemäß Bundesnaturschutzgesetz abgearbeitet und ein Ersatz in Form von Neuanpflanzungen geleistet werden. Zusätzlich sind vor der Fällung die artenschutzrechtlichen Verbote gemäß Bundesnaturschutzgesetz zu beachten. Der entsprechende Antrag auf Fällung muss bei der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Uelzen gestellt werden. Ein entsprechender Antrag liegt dem Landkreis bisher nicht vor.“

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