Aggressionen statt Argumente

Die Zahl an Beschimpfungen und körperlichen Übergriffen in Behörden nimmt auch im Kreis Uelzen zu 

Zu Beschimpfungen und sogar handgreiflichen Übergriffen kommt es in Behörden und Einrichtungen. Die Zahl der Fälle nimmt zu. Auch im Landkreis. Die Kreisverwaltung ist betroffen – und auch das Uelzener Helios Klinikum, berichtet Jana Reese, Chefärztin in der Notaufnahme.
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Zu Beschimpfungen und sogar handgreiflichen Übergriffen kommt es in Behörden und Einrichtungen. Die Zahl der Fälle nimmt zu. Auch im Landkreis. Die Kreisverwaltung ist betroffen – und auch das Uelzener Helios Klinikum, berichtet Jana Reese, Chefärztin in der Notaufnahme.

Uelzen/Landkreis – Mitarbeiter werden beschimpft. Es kommt sogar zu Handgreiflichkeiten. In Behörden nimmt die Zahl der Übergriffe zu, zeigt eine Studie – die Entwicklung ist auch im Landkreis Uelzen zu beobachten.

Die eingebaute Schiene fällt einem nur bei genauerem Hinsehen auf.

Am Tresen der Notaufnahme des Uelzener Klinikums können Mitarbeiter einen Rollladen herunterlassen, um sich vor Übergriffen zu schützen. Davon musste bereits Gebrauch gemacht werden, wie Jana Reese, Chefärztin der Notaufnahme, im Gespräch mit der AZ berichtet.

Mitarbeiter sozialer Einrichtungen und von Behörden sehen sich mit Übergriffen konfrontiert. Eine Studie des Niedersächsischen Städte-tages, die jetzt veröffentlicht wurde, berichtet von randalierenden Bürgern in Rathäusern. Der Präsident des Städte-tages, Lüneburgs Bürgermeister Ulrich Mädge, beklagt in diesem Zusammenhang: „Es geht im sozialen Bereich, bei der Agentur für Arbeit und in den Notaufnahmen von Krankenhäusern nicht mehr ohne Sicherheitsdienste.“

Auch in der Uelzener Kreisverwaltung an der Veerßer Straße kommt es vermehrt zu Übergriffen. 

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, das Übergriffe zunehmen (AZ berichtete). Im Landkreis Uelzen ist die Entwicklung auch zu spüren. Die Kreisverwaltung, die ihren Sitz an der Veerßer Straße in Uelzen hat, berichtet von gestiegenen Fällen. Im Jobcenter, das für Langzeitarbeitslose zuständig ist, nimmt der Geschäftsführer Andreas Rösler eine „zunehmende Distanzlosigkeit“ wahr und auch verbale persönliche Angriffe haben seinen Beobachtungen nach zugenommen.

Die Uelzener Stadtverwaltung hat zwar keinen signifikanten Anstieg von Übergriffen festgestellt, allerdings: Der sprachliche Ton habe sich in den vergangenen Jahren verschärft, so Sprecherin Sandy Naake.

Die Arbeit von Behörden ist teils konfliktbeladen. Genehmigungen sind zu erteilen oder zu versagen. Im Jugendamt des Landkreises dreht es sich um Familien in schwierigen Lebenssituationen. Gleiches ist für die Agentur für Arbeit und im Jobcenter festzuhalten. Jobcenter-Geschäftsführer Andreas Rösler: „Bei allem Verständnis für die Situation, gibt es bei Bedrohungen oder Beleidigungen null Toleranz. Wir erstatten Anzeige und sprechen ein Hausverbot aus.“ Derzeit gibt es im Uelzener Jobcenter vier Hausverbote.

Zu einer Blutentnahme werden alkoholisierte Straftäter von der Polizei ins Klinikum gebracht. Auch mit Menschen unter Drogeneinfluss haben es die Pflegekräfte zu tun. Drogen und Alkohol sind aber nicht die einzigen Gründe, warum es schon mal laut zugeht in der Notaufnahme. Im August berichtet die AZ von einem 32-jährigen Wrestedter, der im Klinikum randalierte, weil er sich schlecht behandelt fühlte.

Auch am Uelzener Helios Klinikum nimmt die Zahl an Vorfällen, in denen Angestellte beschimpft oder gar körperlich angegriffen werden zu, berichtet Jana Reese, Chefärztin in der Notaufnahme. 

Es gebe Patienten, sagt Jana Reese, die wohl nicht mehr die Benimmschule besucht hätten, sich in der Notaufnahme aufführen würden, wenn es länger dauere. Die Chefärztin erklärt, dass Patienten nach der Dringlichkeit behandelt werden und nicht nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“. Zum System hängt im Wartebereich ein erklärendes Poster. Reese bilanziert: Zu verbaler Aggression komme es „nicht selten“.

Pflegekräfte haben Fortbildungen besucht, wie sie Menschen beruhigen können. Demnächst soll wieder eine solche besucht werden. Auch für Mitarbeiter in Uelzener Behörden hat es Schulungen zur Deeskalation gegeben. „Zudem werden die Mitarbeiter darin gestärkt, Vorfälle zu melden, die konsequent geahndet werden“, heißt es vom Landkreis.

Eskalieren Situationen im Jobcenter oder im Klinikum, so kann ein Sicherheitsdienst gerufen werden. Oder in brenzligen Situationen auch die Polizei. „Der Eigenschutz geht vor“, sagt Chefärztin Jana Reese.

VON NORMAN REUTER

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